Highlights der jungen Filmszene SH | Nachbericht

Seit einigen Jahren unterstützt die HypoVereinsbank die Werkschau junger Filmemacher im Traum-Kino Kiel. Unter Leitung von Andreas Steffens erlebten die Zuschauer einen gemütlichen Abend mit interessanten Diskussionen über die Filme. Beinah alle Filmemacher waren anwesend und stellten sich den neugierigen Fragen des Publikums.


Margareta Kosmol im Gespräch mit Andreas Steffens

Kurzfilme sehen oder nicht. Das fällt an einem Tag, an dem die Anti-Pegida Großdemo mit 11.000 Teilnehmern in Kiel stattfindet natürlich schwer. Und verständlicherweise waren die Zuschauer nicht so zahlreich erschienen, wie es in den letzten Jahren der Fall gewesen war. Dennoch entpuppte sich der Abend für alle Anwesenden als gelungen, denn das Publikum nutzte während und nach der Veranstaltung die Gelegenheit, ausführliche Gespräche über die hiesige Filmszene und die gezeigten Kurzfilme mit den Filmemachern zu führen.


Oliver Boczek

So traf man auf Torben Sachert, Kameramann und leidenschaftlicher Schauspieler, der seinen Musical-Comedy-Film „Mopping“ zeigte. Oder die junge Filmemacherin Margareta Kosmol, die trotz ihrer 15 Jahren erstaunliche Kurzdokumentationen produziert und „Rot=Grün“ vorstellte. Kaweh Kordouni – „Aground: Terra 9629“ – und Maria Reinhardt – „Feuer, Wasser, Erde, Luft und Zeit“ – konnten leider nicht anwesenden sein, dafür war Oliver Boczek gekommen, mit seinem Film „Spoiler“ im Gepäck. Neben meinem (Jessica Dahlke) eigenen Kurzfilm „Eis“, feierte außerdem der erste Kurzfilm der Comedygruppe „The Flying Discman“-Premiere. Viele der Kurzfilme wurden bereits auf filmszene-sh.de besprochen und sind entsprechend verlinkt. Die restlichen drei wollen wir euch hier vorstellen.

„Rot = Grün“ von Margareta Kosmol


„Wenn man in Armenien ist, fällt auf, dass alle Taxifahrer immer die gleiche Geschichte erzählen. Daraus wollte ich einen Film machen und habe einige Taxifahrer gecastet“, so Margareta Kosmol. Dabei ist sie auf Armen Hovhannisjan gestoßen. Seine Geschichte ist die des kleinen Mannes und der großen Welt der Wohlhabenden. Eine Reise in ein Land, in dem alles mit Geld kaufbar ist. „Für uns ist Rot Rot. Für die ist Rot Grün und Gelb auch Grün“, erklärt Hovhannisjan der jungen Deutschen mit armenischen Wurzeln. Ein überraschend kapitalismuskritischer Film, rund erzählt.

„Verkorkt“ von The Flying Discman

Ähnlich kritisch geht es auch im Comedy-Kurzfilm „Verkorkt“ zu. Sechs nicht weiter benannte Menschen treffen sich zu einem edlen Abendessen. Doch statt sich auf die dampfenden Kartoffeln und den Hummer zu stürzen, müssen sie sich erst den ganzen Stolz des Gastgebers ansehen. Ein Gagdet, das ihnen ziemlich bald die Laune verderben wird und für viele Lacher unter den Zuschauern sorgt. Die Comedy-Gruppe „The Flying Discman“ gibt es seit vier Monaten. Geplant sind episodenhafte Comedy-Filme mit kurzen und längeren Sketchen, die im Internet veröffentlicht werden sollen.

„Spoiler“ von Oliver Boczek


Jeder kennt sie, keiner liebt sie. Menschen, die aus Überschwang oder Dummheit wichtige Details aus Filmen oder Serien verraten. Im Kurzfilm von Oliver Boczek hat Kurt Berger eine Geschäftsidee daraus gemacht. Der selbsternannte Spoiler knöpft den Besuchern mit geschäftstüchtiger Seriosität Geld für nicht verratenden Enden und Details ab. Schön erzählt.


Torben Sachert mit filmszene-sh-Autorin Jessica Dahlke

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