Von Experimentellen bis Kuriosem – Das war das DBA Kurzfilmfestival 2018

Das DBA Kurzfilmfestival – das aus der Veranstaltung “Der bewegte Abend” hervorgegangen ist – gilt nicht umsonst als das verkopfteste Festival Schleswig-Holsteins. Hier wird gezeigt, was woanders Schreien und Weinen ausgelöst wird, also bei denjenigen, die auf Mainstreamfilme stehen. Aber das ist auch das Schöne an diesem kleinen Festival, denn nur hier knallen Unterhaltung und Intellektualität auf charmante Art und Weise zusammen. Immer wieder ein Fest, auch für die Redaktion von filmszene-sh.de


Kunst und schwarzer Humor

Man behauptet ja weithin, das der Kunstfilm keinen Humor hat. So etwas können eigentlich nur Menschen behaupten, die sich keine Kunstfilme ansehen. Allein das bubenhafte Lächeln von Sven Bohde, der mit seinem Kurzfilm “Kaffeedate” dann auch glatt den “Charmpreis” gewann zeigt, alles nur Menschen, die viel Spaß an der Sache mitbringen.

Gleich zwei Preise – den Hauptpreis und den Publikumspreis – räumte das “Bärtierchen” von Kerstin Welther ab, die nach eigenen Angaben nur erklären wollte, was Tardigrade sind und es einfach nicht lassen konnte, für Filmfans einen Haufen Eastereggs zu verstecken. Ebenfalls nicht auf den Mund gefallen ist der zweite Sieger “Je t’aime” von Peter Ahlers und Patricia Moresmau, die in verkehrten Geschlechterrollen das Musikvideo des französischen Popklassikers aufs Korn nahmen. Ohne Rücksicht auf Verluste, katholische Nonnen wären an diesem Abend reihenweise tot umgefallen.


Kunst und schwarzer Humor

Die Studierenden der Muthesius Kunsthochschule sind inzwischen Dauergast bei diesem Festival. Hannes Fleckstein nahm es mit der Parallelmontage sehr ernst und haut im Rhythmus der Musik von Thomas Klotzki dem Zuschauenden Ansichten über die Pornografie um die Ohren. Hohe Kunst, die wehtut und fasziniert. “Loving You” von Edwin Hosoomel kommt als feinfühliges Musikvideo daher. Auch mein Film “Lifeboats” hatte an diesem Abend Weltpremiere und zeigt Instagram-Aufnahmen, die langsam von realem Material (16mm) zerstört werden, um die Konfusion zwischen europäischen Werten und den ertrinkenden Flüchtlingen im Mittelmeer zu zeigen.

Küsti Fraun reduziert die Bedeutung der Börse auf das wesentliche und verbildlich mit “Börse nach acht” die Börse nach acht. “Lara & Fedja” ebenfalls reduziert erzählt in Form von ASCII-Art eine sehr tragische und schwarzhumorige Geschichte. Erstellt von Thomas Rader. Mit “Blaue Stunde” erinnert Jörg Meyer an das Schiffsunglück der Titanic, ebenfalls reduziert auf zwei Bilder, die den Text umso eindringlicher machen.

Johanna Jannsen zeigte ihre Kurzdoku “Mein Vater”, mit der sie 2017 den Nachwuchspreis Schleswig-Holstein gewann. “Der Unfall” ist ein Film von Geflüchteten, der aus einem Projekt von Claus Oppermann hervorgegangen ist. “Handy aus, sonst Fresse weg” von Peter Ahlers, ein humoriger Trailer, der in jedem Kino gezeigt werden sollte. Aber Achtung, kann Blutspritzer auf dem Hemd verursachen.

Nächster Jahr gerne wieder. Das DBA Kurzfilmfestival zeigt erneut, dass es eine Institution in Kiel ist.

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