Wie wird man eigentlich Produktionsleiter*in – Filmberufe im Gespräch

Der Fachkräftemangel in der Filmbranche schlägt überall um sich, auch in Deutschland. Grund dafür die zunehmende Medialisierung und der Serienboom, der durch Streamingdienste wie Netflix ausgelöst wurden. Längst lassen sich keine Filmcrews mehr in den USA finden, weswegen die Serienmacher verstärkt auch in Europa drehen. Die aktuellen Pläne der EU, den Streamingportalen eine Europaquote aufzudrücken, wird diesen Boom wohl weiter anheizen. Gut für die Medienbranche in Europa. Doch jeder Boom ist nur so stark wie die Kräfte, die ihn nutzen. Vor allem an Fachleuten außerhalb von Regie und Kamera fehlt es deutschlich, erklärt die ZAV Hamburg. Dem will die Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein zusammen mit der IHK zu Kiel entgegenwirken und informiert Berufseinsteiger wie Interessierte über die vielseitigen Berufsmöglichkeiten beim Film.

Produktionsleitung – Die kaufmännische Seite des Films

Robert Geisler – Produktionsleiter aus Berlin – macht bereits in den ersten Minuten seines Vortrages klar, dass man das Filmemachen lieben sollte, wenn man im Filmbusiness arbeiten will. Lange Arbeitszeiten, Bezahlung unter Tarif und viele Reisen gehören dazu. Dafür bietet die Filmproduktion ein Umfeld außerhalb des normalen Bürolebens, bei dem man interessante Menschen und Aufgabenfelder trifft. Das gilt auch für den/die Produktionsleiter*in, die mehr tut, als nur mit Zahlen zu jonglieren. Obwohl das die Hauptaufgabe zu sein scheint. „Als Produktionsleiter erstelle ich eine Kalkulation gemäß dem Filmbudget und führe sie durch“, erklärt Robert Geisler und stellt einmal kurz alle Gewerke einer Spielfilmproduktion vor. „Bekomme ich ein Drehbuch, so gehe ich Stück für Stück dort durch und finde heraus, was etwas kostet und wo etwas organisiert werden muss. Auch ein Kuss zwischen den Schauspielern gehört dazu, was mit denen ja vereinbart werden muss. Außerdem bin ich derjenige, der die Leute anruft und die Preise aushandelt.“

Egal ob Drohnenflug, Stuntman oder Bau einer Requisite. Der/die Produktionsleiter*in behält den finanziellen und organisatorischen Überblick über die Produktion. Im Notfall muss er/sie auch mal selbst einspringen, genau dann, wenn der Dreh gefährdet wird. „So ein Drehtag kostet sehr viel Geld. Sobald etwas schief geht, muss ich also dafür sorgen, dass trotzdem produziert wird.“ Da kann es vorkommen, dass man innerhalb eines Tages einen Haufen Fracks besorgen muss, die dann frisch gebügelt rechtzeitig am Set sein müssen. „Aber das ist eigentlich die Ausnahme“, erklärt Geisler und grinst.

Produktionsstab eines Films

Produzent*in
Herstellungsleitung
Produktionsleitung
Aufnahmeleitung
Setaufnahmeleitung
Postproduktionskoordination
Geschäftsführung

Wie wird man Produktionsleiter*in

Wie viele ist auch Robert Geisler als Quereinsteiger in den Beruf gekommen. Die Berufsbezeichnung Produktionsleiter*in ist nicht geschützt. „Aber du musst einem Produzenten klar machen, dass du das kannst“, erklärt er. Ohne Erfahrungen geht das nicht, daher beginnt man meist als Aufnahmeleiter oder in einer anderen Position am Set.

Dann  zeigt er drei Wege auf:

  1. Über Praktika
  2. Über ein Studium (Fach Produktion)
  3. Nach Berufserfahrung durch eine IHK Prüfung

Und wie kommt man an Praktika, fragt eine der Schülerinnnen im Raum. Da empfiehlt Robert Geisler die Seite Crew United oder die Produktionsfirmen direkt anzuschreiben.

Für Menschen mit kaufmännische Affinität oder Ausbildung bietet dieser Beruf viel Abwechslung und projektbezogenes Arbeiten. Wer das mag, für den könnte der/die Produktionsleiter*in genau das Richtige sein.

Eine Veranstaltungsreihe der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein und der IHK zu Kiel. Nächstes Termin am 6. Dezember zum Beruf „Script Supervisor“.

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