Wildes Herz: „Man muss mit den Menschen leben, andere gibt es nicht“

Als nach der Premiere von Wildes Herz auf der DOK Leizig die Lampen im Vorführungssaal angehen, flammen überall im Zuschauerraum geflüsterte Gespräche auf, schließlich trifft der Film einen kulturpolitischen Nerv, zeigt er doch das Erstarken einer rechtsnationalen Strömung in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen und wie schwer und wichtig es ist sich dem entgegen zu stellen. Am Samstag nun folgte die Premiere im Studio Kino bevor „Wildes Herz“ am 12. April in die deutschen Kinos startet.

 

Ein Bericht von Anna Lena Möller

 

Der Film vermittelt dies alles durch die Augen seines Protagonisten,  des Sängers Jan „Monchi“ Gorkow von der Band „Feine Sahne Fischfilet“. Konventionell und chronologisch erzählt „Wildes Herz“ aus dem Leben des Frontmanns und bleibt dabei ebenso eckig wie sein Protagonist – im  besten Sinne des Wortes. Charly Hübner und Sebastian Schultz, die gemeinsam den Film umgesetzt haben loten immer wieder zwischen Extrempositionen aus, thematisieren Monchis Jugend als gewaltbereiter Ultra genauso wie sein Wunsch nach Zurückgezogenheit in der Heimat, die  Beobachtung der Band durch den Verfassungsschutz genauso wie das Engagement der Band gegen Rechts.

 

Manchmal droht der Film zu kippen, zu offen, unbequem, extrem sind die Aussagen, ja die Parolen, des Protagonisten, zu wenig werden sie stellenweise durch den Film selber reflektiert.

Und doch gelingt dieser Drahtseilakt, weil er es gleichzeitig schafft die Aussagen nachvollziehbar, aus Diskussionen wiedererkennbar zu machen und den Zuschauer dazu einlädt anzuecken, Position zu beziehen.

Martin Farkas und Roman Schauerte finden hierzu mal atmosphärisch-beobachtende mal energiegeladen-teilhabende Bilder zwischen Festival-Rave und Ostsee-Sonnenuntergang, die erst eine Nähe zum Protagonisten möglich machen und immer wieder die Entwicklung des Protagonisten einfangen.

 

„Man muss mit den Menschen leben, andere gibt es nicht“, fasst Monchi zusammen. Es ist sein Resümee der letzten Jahre, gemäßigter als noch in seiner Jugend, aber nicht angepasster. Und es ist sein Antrieb sich immer wieder mit jenen Menschen auseinander zu setzen gegen deren Rechtsradikalismus er angeht.

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