Thies John über „Wo andere Urlaub machen“

Thies John ist Schauspieler, Regisseur und Autor aus Kiel und realisiert in diesem Sommer seinen ersten Langfilm in der Nähe von Eckernförde. Warum ihr ihn bei seiner Crowdfunding-Aktion unterstützen solltet, lest ihr im Interview.

 

Das Interview führte Jessica Dahlke

 

Du bereitest gerade die Produktion deines ersten Langfilms vor. Kannst du kurz erzählen, worum es darin geht.

Genau genommen ist es mein zweiter Langfilm, aber meinen ersten “Hab ich vergessen” kann man sozusagen vergessen. Es wird ein Horrorfilm. Es wird ein Film, der sehr schleswig-holsteinisch geprägt sein wird. Schon allein durch die Kulisse, in der er spielt. Er wird gänzlich am Strand der Eckernförder Bucht entstehen in der Nähe des kleinen Örtchens Noer. Dort gibt es eine wunderbare Steilküste, die schön zerklüftet und sehr einzigartig ist in ihrer gesamten Art. Ich habe mich erst letzten Samstag wieder in diese Kulisse verliebt, als wir dort den Trailer für unsere Crowdfunding-Aktion gedreht haben.

 

 

Es wird ein Zombiefilm, aber die Zombies sind nur Katalysator. Vordergründig geht es um Zombies, aber wenn man ein bisschen in die Handlung reinguckt, dann geht es um das, was bei den Menschen ausgelöst wird. Um Verlust von Unschuld, Überschreitung von Grenzen, gerade auch von moralische Grenzen. Und es gibt keine Figur, die nicht in irgendeiner Art ihre Unschuld verlieren wird.

 

Es klingt ein bisschen nach dem Konzept von “The Walking Dead” und “Fear Of The Walking Dead”. Dort geht es auch um die Entwicklung der Menschen und weniger um die Zombies.

Ich möchte nicht in Abrede stellen, dass mich das nicht auch geprägt. Nur worauf ich verzichten werde, sind diese “Zerfleischungsaktionen” durch Zombies. Mir geht es wirklich darum, wie diese Leute miteinander kommunizieren, wie sie funktionieren. Ich habe mir mit Hille Norden Charaktere überlegt, die wirklich sehr sehr spannend sind, die ihre Brüche haben. Es gibt eigentlich keine glatte Figur. Es gibt trotzdem Sympathieträger, die aber an den Aufgaben, die sie sich selbst stellen, zu scheitern drohen. Ich glaube es wird äußerst spannend werden. Es wird kein Wohltue-Film, sondern es geht ans Eingemachte. Es gibt sehr harte Szenen.

 

 

Ich hab ein sehr tolles Team gefunden, das mich gerade unterstützt. Vor der Kamera und auch dahinter. Johann Schulz ist dran beteiligt, Hannes Gorrissen, Hille Norden, Torben Sachert, Arne Prill und viele mehr. Die sind alle heiß drauf jetzt loszulegen. Dafür fehlt uns im Moment noch die finanzielle Grundlage und die versuche ich jetzt über eine Crowdfunding-Aktion zu bekommen.

 

Crowdfunding ist ein gutes Stichwort. Wie finanziert man ein solches Projekt und wie wird das Geld verwendet?

Das Geld wird für die Dinge ausgegeben, die man bei jedem Film braucht. Zum Beispiel die Kostüme. Da die Zeitspanne, in der die Handlung abläuft relativ groß ist, brauchen wir Klamotten in verschiedenen Verschleißzuständen. Wir brauchen also für jeden mindestens drei gleiche Outfits, die dann mehr oder weniger ramponiert sind. Dann natürlich Make-Up. Wir haben eine Schauspielerin, die die normale Filmschminke nicht vertragen kann, da müssen wir dann Alkoholschminke kaufen. Das sind alles so Kleinigkeiten, die sich nachher aber summieren werden. Dazu kommt natürlich der abgelegene Drehort. Wir werden dort Toiletten und Catering benötigen. Wir brauchen ein Zelt als Aufenthaltsort, wo die Leute auch mal entspannen können. All das muss eben organisiert werden. Wir brauchen die Drehgenehmigung, wir brauchen Stellplätze für unsere Fahrzeuge, wir brauchen überhaupt Fahrzeuge. Und das summiert sich halt alles. Ich bin gerade dabei einen Finanzplan aufzustellen, was wir wirklich am Notwendigsten benötigen. Das wird dann unser Crowdfunding-Ziel ergeben. Das ist dann aber sehr knapp bemessen. Den Rest versuchen wir über Sponsoren zu finanzieren oder vielleicht überschreiten wir auch unser Crowdfunding-Ziel. Damit könnten wir dann auch einen Dolly ausleihen.

 

Wie ist die Idee entstanden einen Zombiefilm zu drehen?

Also ich habe da selbst ein besonderes Faible für das Genre. Ich würde mich schon als Fan von Horrorfilmen bezeichnen. Ich guck mir da natürlich an, was es schon gab und was noch nicht. Ich glaube allein durch die Art des Drehs wie den eingeschränkten Drehort, dass der Film komplett am Tag spielen wird und andere Besonderheiten, haben wir Merkmale, die ich so noch keinem Zombiefilm gesehen habe. Bei “The Walking Dead” läuft es anders ab, da wird viel mehr mit den Schockelementen gearbeitet und davon rücke ich ein bisschen ab. Es wird Schockelemente geben, aber die kommen von woanders.

Und die Idee diese Art von Film zu machen, die entstand wie viele Ideen in einem Kneipengespräch, das ich geführt habe mit einem Freund von mir, Daniel Chrommik.

 

 

Wie bist du zum Film gekommen?

Für Film interessiere ich mich seit den späten 70er Jahren. Ich hatte dummerweise nie eine Kamera zur Verfügung, sonst hätte ich viel früher angefangen mal was zu drehen. Ich habe dann Anfang der 90er mit einer geliehenden Kamera des Offenen Kanals einen Film produziert: der oben angesprochene Langfilm und war natürlich völlig überfordert damit, weil ich fast alles selbst gemacht habe und nicht wusste, wie man eigentlich an so einen Film rangeht. Zu der Zeit habe ich auch schon Theaterstücke geschrieben, die relativ erfolgreich hier in Kiel gelaufen sind. Über das Schneiden kam ich Mitte der 90er dazu, noch ein paar Kurzfilme zu machen. Zum Beispiel einen kleinen düsteren Horrorfilm, der leider verschollen ist, aber der visuell schon dem entsprach, was ich gerne in Horrorfilmen sehe. Ich habe dann an Wettbewerben teilgenommen und zweimal sogar einen Preis gewonnen. Doch dann habe ich das Filmemachen aus den Augen verloren.

 


Filmemacher Thies John (links)

 

Und wie ich jetzt zum Film gekommen bin, weißt du ja am besten. Ich bin bei deinem Projekt The Flying Discman gelandet und habe bei dem Sketch “Verkorkt” das erste Mal wieder Regie geführt. Es folgten einige Drehbücher für die Comedy-Gruppe und auch vor der Kamera habe ich gestanden. Schön war, dass wir 2015 dann auch noch den Jürgen-Prediger-Filmpreis gewonnen haben. Und sowas motiviert natürlich unglaublich. Man fängt an zu überlegen, was man noch alles machen kann. Der Langfilm ist jetzt das erste große Projekt, für den Herbst plane ich eine Webserie.

Webserien sind Moment ein gutes Mittel, mit relativ wenig Geld aber mit viel Originalität etwas Anständiges zustande zu bringen. Originalität ist mir daran das Wichtigste. Es sollte sich nicht dem normalen Fernsehzuschauer anbiedern, sondern Filmqualität und gute Schauspieler haben. Dann gibt es noch zwei Kurzfilmprojekte. Das ist so, was mich im Moment umtreibt.

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