„Ich bin jetzt für dich aus Glas“ – Hille Norden über ihr neues Projekt

Die junge Filmemacherin Hille Norden arbeitet zur Zeit an einem Dokumentarfilm über zwei syrische Brüder, mit Tim Butenschön an der Kamera. Der eine Journalist, der andere Maler. Gefördert wurde das Projekt von der Filmwerkstatt Kiel mit einer Projektentwicklungsförderung. Schon die ersten Gespräche mit einem der Brüder zeigen, wie wichtig der Film in der Diskussion um Grenzen und Kontingente sein könnte. Denn er verdeutlicht mit beeindruckend klaren Worten und ausdrucksvollen Bildern des Malers, warum sich die Syrer auf die Flucht begeben müssen. Ich habe mit Hille Norden über das Projekt gesprochen.

Das Interview führte 2016 Jessica Dahlke

 

Du arbeitest gerade an einem Dokumentarfilm. Kannst du uns kurz erzählen, worum es geht?

Ja, es geht um zwei Brüder, die beide aus Aleppo kommen. Der eine hat Journalistik studiert und der andere erst Jura und dann Kunst. Der Journalist war dort im Lokaljournalismus tätig und der Künstler hat an der Fakultät für Schöne Künste unterrichtet. Beide hatten ein Problem mit dem Assad-Regime. Der Journalist ist mehrere Male wegen seiner Arbeit im Gefängnis gewesen und ist mit seiner Familie – er hat zwei Kinder – geflohen. Zuerst in den Libanon, wo er auch wieder im Gefängnis war und dann über ein EU-Kontingent nach Deutschland. Er lebt jetzt etwa seit zwei Jahren in Leipzig.

Der Künstler ist da geblieben, bei seiner Familie, und hat weiter gemalt. Doch er musste irgendwann sein Haus verlassen, weil er in einer Region wohnte, in der besonders viele Bomben fielen. Auch sein Atelier wurde zerstört. Er hat seine letzten Bilder nach Deutschland schmuggeln lassen und diese wurden in Leipzig ausgestellt. Eins der Bilder wurde verkauft. Von dem Geld konnte er dann selber fliehen und ist seit 2015 in Deutschland.

 


Zeichnung von Zakwan Khello

 

Wie bist du auf das Thema gekommen? Was interessiert dich daran am meisten?

Eher auf Umwegen. Ich interessiere mich persönlich schon sehr lange für Flüchtlinge, weil es immer ein Teil meines Lebens war. Ich war selbst zweieinhalb Jahre mit einem afghanischen Flüchtling zusammen und auch meine Familie ist in dem Bereich tätig im Sinne von Deutsch-Nachhilfe, Bildungspatenschaften und Aufnahme von Transitflüchtlingen. Ich hatte darüber nachgedacht, einen Spielfilm über Flüchtlinge zu machen bzw. mit Flüchtlingen und habe darüber nachgedacht, was ich da so machen könnte. Meine Mutter war in Leipzig und hatte diese Ausstellung besucht. Sie hat mir davon erzählt und wie sehr sie die Bilder berührt hätten. Und dass diese Bilder sie auch sehr an meine eigenen Bilder erinnert hätten. Ich habe dann weiter recherchiert und hatte das Bedürfnis diese Doku zu machen. Zunächst musste ich die richtige Kontaktperson finden, da der Künstler kein Deutsch spricht. Und dann wurde ich auch von der Filmwerkstatt Kiel mit einer Projektentwicklungsförderung gefördert. Ab da gab‘s für mich kein Zurück mehr.

 

Zakwan Khello
Zeichnung von Zakwan Khello

 

Was ist die Geschichte, die du mit dem Film erzählen willst?

Was ich an den beiden sehr beeindruckend finde ist, dass es zwei sehr positiv denkende Menschen sind, die unglaublich schreckliche Sachen erlebt haben und beide aus Syrien geflohen sind, weil sie sagen: Wir wollen nicht kämpfen und wir wollen niemanden töten. Sie haben eine unglaublich große Liebe für ihr Land. Deshalb kann der Künstler auch kein Englisch, weil er nie daran gedacht hätte, sein Land zu verlassen. Aber sie mussten es doch. Eigentlich haben sie Sachen erlebt, wo man denkt, wie kann dieser Mensch noch leben? Aber sie tun es trotzdem und sie tun es mit großer Freude. Und sie tun das auf eine wunderbare Art und Weise. Ich möchte zeigen, wie es in den Ländern ist. Wie es den Leuten auf der Flucht geht und wie es ihnen hier geht. Und was für positive Energien Menschen entfalten können, wenn man ihnen die richtige Umgebung bietet. Wenn man ihnen die Chance gibt, sich weiter zu entwickeln.

 

Du hast ja im Zuge deiner Recherche schon einige Gespräche mit den beiden geführt. Gab es da etwas, was du besonders herausstellen möchtest? Wie war die Begegnung mit den beiden?

Was mich besonders beeindruckt hat? Zum Beispiel, dass der Journalist, Tarek Khello, sehr gut Deutsch kann und hier in Deutschland angefangen hat, journalistisch zu arbeiten. Er ist ein sehr energiegeladener Mensch, aber leider ist er schwer erkrankt und daher konnte ich noch nicht mit ihm sprechen. Ich weiß genug, um ein Drehbuch zu verfassen und wir werden auch mit ihm drehen können. Aber es waren noch keine Interview-Situationen mit ihm möglich. Und mit Zakwan Khello habe ich vor dem ersten Treffen nie geredet, weil er kein Deutsch und kein Englisch kann. Deshalb habe ich immer nur über seinen Sozialarbeiter und Tarek mit ihm kommuniziert, bis zum ersten Treffen. Ich habe vorher gehört, dass er ein sehr stiller Mann sein soll, ein schüchterner, einer, der einfach nicht auffällt. Und darauf hatte ich mich eingestellt. Ich hatte gedacht, dass er mir die Bilder zeigt und dass der Hauptredeanteil bei seinem Bruder liegt. Wir hatten dann das Vorgespräch und ich habe ihm gesagt: Du kannst uns alles erzählen, was du möchtest und was du nicht erzählen willst, musst du nicht erzählen. Und er sagte: Okay, ich bin jetzt für dich aus Glas. Und dann fing er an zu erzählen und erzählen und wir haben am ersten Tag etwa 12 Stunden zusammengesessen und am nächsten Tag auch nochmal drei Stunden. Inzwischen haben wir glaube ich an die 50 Stunden Interview.

 

Zakwan Khello
Zeichnung von Zakwan Khello

 

Wir haben über lange Zeit immer nur zugehört wie er Arabisch sprach, bevor es übersetzt wurde, aber es war nie langweilig. Weil man schon da verstanden hat, was er sagen wollte. Er hat eine ausdrucksvolle, bildliche Mimik. In dem einen Moment hat er geweint, in dem anderen gelacht. Er hat eine große Bandbreite an Gefühlen und war von einer Gutherzigkeit, die mich beeindruckt hat. Wie gesagt, ich kenne viele Flüchtlingsgeschichten, aber hier habe ich Sachen erfahren, die ich vorher nicht wusste. Ich glaube, was mich am meisten beeindruckt hat war, was er zu seinen Bildern gesagt hat. Ich les dir einfach mal etwas aus dem Interview vor:

Wir mussten in einem Truck transportiert werden, aber unter der Plane war keine Luft. Wir hatten kein Messer um die Plane zu durchstechen. Ich konnte mir nicht vorstellen, wie diese Schlepper uns in eine solche Situation bringen konnten. Wie böse sie sein könnten. Aber ich wusste, wenn wir auf der anderen Seite sind, dann wartet da das neue Leben.

Und das ist nur das Interview ohne die Bilder. Jedem, dem ich das vorlese, ist zu Tränen gerührt. Auch ich habe während des Interviews viel geweint.

 

Zakwan Khello

 

Gibt es noch etwas, was du unbedingt über diesen Film erzählen willst?

Ich glaube ich habe Sorge davor, dass ich diesen Film für die Schublade produziere, weil es mir wichtig ist, dass die Leute diesen Film sehen. Ich möchte, dass ihn nicht nur die Leute sehen, die sich ohnehin schon für Flüchtlinge mögen, sondern eben die, die dagegen sind. Weil genau für diese der Film ist.

 

Wann wird der Film deiner Einschätzung nach fertig sein?

Wir haben jetzt schon ein bisschen gedreht, aber es fehlen natürlich noch viele Aufnahmen. Derzeit sammele ich noch Geld, um den Dreh zu Ende führen zu können und meine Mitarbeiter wenigstens ausreichend zu bezahlen. Auch eine kleinere, finanzielle Hilfe kann für unser Projekt die vielleicht entscheidende Hilfe sein. Wer also jemanden kennt oder selber Lust hat, die „Khello Brüder“ zu unterstützen, der macht mir eine riesen Freude und kann mich unter der Adresse hille@norden.sh kontaktieren.

 

Vielen Dank für das Interview

SciFi-Webserie sucht Unterstützer

Die Comedy-Gruppe The Flying Discman (u.a. bekannt durch den Film „Der Mann, der zu viel musste“) wird im März 2016 die erste Folge ihrer SciFi-Comedy-Webserie „PENTAQUAD – Und die Galaxie macht Higgs“ in Neumünster drehen. Die Filmwerkstatt Kiel – Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein – unterstützt dieses Projekt mit einer Produktionsvorbereitungsförderung. Leider reicht das bisherige Budget noch nicht aus, um das Projekt vollständig zu realisieren.

 

Was wird gebraucht

Ein großer Kostenpunkt ist der Bau der Raumschiffbrücke. Produzentin Jessica Dahlke und Kulissenbauer Nico Anderesen suchen daher noch Materialspenden in Form von Holz (Sperrholzplatten oder MDF und Latten), Schrauben, Farben und Lacke (weiß, grau, blau) sowie Elektroschrott (alte PCs, Laptops, Bildschirme etc.). Vielleicht habt ihr noch Dinge dieser Art im Keller, die ihr bei dieser Gelegenheit loswerden wollt. Auch eine Geldspende würde dem Team sehr weiterhelfen. Da der Dreh bereits im März stattfindet, müssen die Bauarbeiten für die Kulisse ab Januar beginnen. Auch Unternehmensspenden oder Rabatte sind denkbar.

PentaQuad

 

Wer ist dabei

In den Hauptrollen werden in „PENTAQUAD – Und die Galaxie macht Higgs“ Torben Sachert, Hille Norden, Arne Berner und Oleksandra Zapolska zu sehen sein. Das Drehbuch stammt von Jessica Dahlke und Christoph Zickler. Zudem sind Björn Kurtenbach, Stefan Klinge, Christian Lewin, Anna-Lena Möller, Sabrina Andresen und viele andere mit im Boot. Regie führt Jessica Dahlke. Die Filmkulisse wird gebaut von Nico Anderesen auf dem Gelände des Kulturlokschuppens Neumünster.

 

Die Story

Es ist das Jahr 2060. Die Erde, die eine Zeit des politischen und gesellschaftlichen Chaoses hinter sich hat, sehnt sich nach neuen Abenteuern. Die private Raumfahrtbehörde CPLE hilft da gerne aus und sendet eine Reihe von Raumschiffen ins All, die alle an ihren Missionen scheitern. Aber egal, schließlich geht es um den Profit für die jeweilige Fernsehübertragung.

Die Mannschaft der Flying Discman will mehr. Sie möchten mit dem Start des von Professor Higgs entwickelten Hyperstreamantrieb endlich in die Ära der interstellaren Raumfahrt starten. Doch am Ziel angekommen – der Antrieb darf nur am äußeren Rand des Sonnensystems gezündet werden – merken die Intelligenzbestien, dass das gar nicht so einfach ist.

PentaQuad

 

Der Stil

Das Production Design der Serie lehnt sich an die kreativen Ausstattungsmethoden der 60er/70er Jahre an und setzt auf Retro. Alles am Set ist Handmade, auch die Raumschiffe im Weltall.

Mehr Informationen findet ihr auch auf der Seite www.the-flying-discman.de

Wenn ihr Interesse an einer Unterstützung habt, dann meldet euch einfach bei Jessica unter info@filmszene-sh.de

Nachbericht vom Godot Filmfestival

Das Godot Filmfestival fand in diesem Jahr das erste Mal statt. Kaweh Kordouni, selbst Filmemacher, lud Mitte Oktober in sein Künstlercafé Godot ein. Die Trophäe für den besten Film des Abends gestaltete Jan Gruber.

 

Ein Bericht von Jessica Dahlke

Vor vollem Haus und auf zwei Leinwänden begann das Festival mit “Der brennende Bus von Kiel”, eine Mocumentary, die schon jetzt Kultstatus genießt. Peter Ahlers und sein Team, die auch für den im Sommer gedrehten Trash-Film Skatecop verantwortlich sind, zeigten wie gewohnt ihren eigenen Blick auf ein Phänomen, das es nur in Kiel geben kann.

Die Kronshagenerin Margareta Kosmol beschäftigt sich in ihrem Film “Die Zukunft liegt in unseren Händen” mit der Zeit kurz vor dem Schulabschluss. Dabei findet sie interessante Bilder und kann die Stimmung der Schüler auf hervorragende Art und Weise einfangen. An diesem Abend wird sie den dritten Platz belegen.

 

 

Jan Gruber widmet seinen Film dem Expressionisten „Kirchner“ und lässt ihn in gelungenen Zeichnungen wieder aufleben. Einziges Manko ist der Ton, der im besten Falle noch einmal überarbeitet werden sollte.

Premiere hatte auch mein Film “This True Element”, ein Experimentalfilm, der an der Muthesius Kunsthochschule entstanden ist. Ebenfalls wie Sarang Arias “Der Wind wird uns tragen”, der mit schönen Bildern das Gefühl der iranischen Sehnsucht nach Freiheit transportiert.

Dem Lyrischen von Rilke widmet sich Jörg Meyer in seinem neuen video.poem “Orfeo.ritornell”.

Mit “311” zeigt Sven Heid, dass er sich auch außerhalb seiner Zombie-Klassiker und Noir-Filme an neue Stoffe herantraut. Makaber darf es natürlich weiterhin sein, wenn drei Mädels den Tod ihres Mitbewohners vertuschen wollen.

 

 

Sieger des Abends wird verdientermaßen ein weiteres Meisterstück des Makaberen. “Die eilten Sonnenscheidts” von Johann Schulz. Nach diesem Film möchte man keine Puppen mehr in seiner Nähe haben.

Zweiter Sieger wird “Das Märchen von Maler”, ein Zeichentrick Filmprojekt der FH Kiel mit realen Schauspielern. Schnell kommen da Erinnerungen an alte Kinderfilme hoch.

Zum Abschluss gibt es dann noch den Hamburger Kurzfilm “Tension” von René Wiesner und Patrick Templin, der leider nach ein paar Sekunden schon das erahnen lässt, was in den restlichen Minuten geschieht.

Als Preis gab es jeweils Gutscheine vom Café Godot, die vom Café und von Söth Filmproduktion gespendet wurden.

Jonas Rothlaender über FADO (D, 2016)

Der gebürtige Lübecker Jonas Rothlaender kehrte zu den Nordischen Filmtagen mit seinem Spielfilm FADO für kurze Zeit in seine alte Heimat zurück. Wir haben ihn zu seinem neuen Film ein paar Fragen gestellt.

 

Interview von Katleen Glameyer am 31.10.2016

Du bist in Lübeck geboren und aufgewachsen. Wie sah das für Dich damals aus in Schleswig-Holstein – gab es dort kreative Leute, mit denen du arbeiten, beziehungsweise Dich gut vernetzten konntest?
Also tatsächlich habe ich nur die Hälfte meiner Jugend in Lübeck verbracht. Als ich 11 Jahre alt war sind wir nach Bielefeld gezogen – aber ich bin trotzdem immer Lübecker im Herzen geblieben.
Während der Schulzeit habe ich Kurzgeschichten geschrieben und auch Theater gespielt. Nach dem Abitur bin ich dann nach Berlin zum Zivildienst. Das Filmemachen fing tatsächlich erst an, als ich nach Berlin gezogen bin. Da habe ich in den ersten Jahren selber kleine, schmuddelige Kurzfilme gedreht.
Vorher war das eher so die Suche nach dem richtigen Ausdruck.
Und dann begann ja mein Studium an der DFFB.

 

Hast Du Verbindungen zur Filmszene Schleswig-Holstein?

Ich bin jetzt wieder Hamburger, da ich nach dem Studium wieder zurück gezogen bin. Vor ”Fado” hatte ich einen Dokumentarfilm gedreht, der ”Familie haben” heißt. Der ist von der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein bzw. der Filmwerkstatt Kiel unterstützt worden.
Der Film spielt auf Grund meiner Wurzeln teilweise auch in Lübeck. Deswegen gab es da Finanzierungen und später auch eine Verleihförderung von der Filmwerkstadt Kiel, weil ich den Film selber ins Kino gebracht habe. Das ist sozusagen die eine Verbindung mit dem Norden.
Und dann sind da noch die Nordischen Filmtage in Lübeck, wo ich eigentlich mit fast jedem Film zu Gast war. Die Filmtage waren für mich immer ein wichtiger Knotenpunkt!

 

Wann kam Dir die die Idee zu Fado?

Das ist ungefähr 6 Jahre her.
Am Anfang sollte es noch eher darum gehen, eine gleichberechtigte Paargeschichte zu erzählen. Sozusagen das Ende einer Beziehung. Das war die Anfangsidee für Fado. Und es war von Anfang an klar, dass das in Lissabon spielen sollte.

 

 

Warum Lissabon?

Was mich im Zusammenhang mit dieser Stadt interessiert hat, war das Sich-Entfremden. Dieses Sich-Fremdsein in einer Beziehung.
Also zum einen sich in der Beziehung fremd sein, aber sich dann zusätzlich auch in der Fremde zu befinden. Diese zwei Aspekte von Fremdsein waren mir wichtig. Ich war damals ein oder zweimal zuvor in Lissabon gewesen und es ist eine eher intuitive Entscheidung für die Stadt gewesen.
Aufgrund von dieser Melancholie und Schwermütigkeit und auch dieser sehr metaphysischen Atmosphäre.
Sebastian, der Co-Autor, und ich sind im Verlauf der fünf Jahre Drehbucharbeit mindestens ein bis zweimal im Jahr nach Lissabon gefahren, um die Stadt zu entdecken. Wir wollten Lissabon nicht nur als schöne Kulisse darstellen. Im Laufe der Arbeit hat sich Lissabon dann zum Antagonisten von Fabian herauskristallisiert.

 

Was macht diesen Gegenspieler Lissabon noch aus?

Lissabon ist der Gegenspieler, der ihm quasi das Leben schwer macht und ihm Steine in den Weg wirft.
Fabian ist die ganze Zeit damit beschäftigt, sich selbst, sein Umfeld, und seine Gefühle zu kontrollieren. Wir wollten ihm was entgegensetzen, was er nicht kontrollieren kann. Dieses Atmosphärische, die verwinkelten Gassen Lissabons, das Element des Wassers, das Erdbeben, die Fado-Musik, die ja auch etwas sehr emotionales, expressives hat. Das waren so die Merkmale des Antagonisten Lissabons.

 

Das ist interessant. Denn als ich den Film sah, hab ich mich teilweise wirklich unwohl gefühlt. Wie soll ich sagen … Du hast intensive Gefühle und versuchst irgendwie, Dich damit in dir wohlzufühlen und eine Stabilität zu erreichen, aber der Ort spiegelt die ganze Unkontrolliertheit dann auch nochmal wieder. Das heißt es ist im Innen und im Außen…das fühlte sich schon unangenehm an!
Ich habe Fabian jedenfalls als jemanden wahrgenommmen, der seine Gefühle unterdrückt und zwischendurch kommen sie einfach sturzweise heraus.
Meinst Du, das ist etwas Nordisches?
Oder ist das rein personenabhängig…könnte das auch bei irgendwem sein?

Für dich ist das Nordisch, ja?

 

Ja…ja! Ich hab das so hier kennen gelernt. Ich weiß vielleicht zu wenig darüber, wie die Menschen in anderen Kulturen mit Gefühlen umgehen. Womöglich spiegeln meine Erfahrungen nur einen zufälligen Ausschnitt der Menschen in unserem Breitengrad wider.

Klar, für mich entspricht das schon dem Stereotypen des nordeutschen, nordischen Menschen. Aber für mich geht es eigentlich nicht so sehr um kulturelle Unterschiede, sondern um persönliche. Also die entscheidende Frage bei Fado war für mich: Wie gehen wir Menschen allgemein – und speziell wir Männer – mit Gefühlen um, die wir nicht haben wollen. Und ich glaube, das ist ein ganz wichtiger Motor für den Film gewesen. Da ist es eigentlich egal, woher wir kommen.
Aber du hast natürlich recht, dass es zum Klischeebild des Norddeutschen passt. Also ich verstehe, dass die Verbindung im Kopf zustande kommt. Aber die ist für mich eher charaktertypisch und nicht kulturtypisch.

 

Golo Euler und Luise Heyer spielen die Hauptrollen in Fado. Warum hast Du die beiden gewählt?

Golo stand schon früh fest. Und dann haben wir vor allem Konstellationen getestet. Es gibt so wenig, was wir aus der Vorgeschichte von den beiden im Film erfahren. Wenn Du das Paar als Zuschauer siehst, dann musst Du sehen: Die beiden gehören irgendwie zusammen.
Golo stand ja wie gesagt zuerst fest und dann haben wir ihn zusammen mit verschiedenen Schauspielerinnen im Casting gehabt.
Golo und Luise saßen gleich zu Beginn des Castings auf den Stühlen vor mir und bevor sie angefangen haben zu spielen wusste ich: Ok, die sind´s! Das war ganz toll. Die hatten einfach so eine Energie und Magie zusammen, die du gar nicht herstellen kannst. Entweder ist die da oder die ist nicht da. Und die beiden hatten das.

 

 

Wie habt Ihr Euch auf Eure gemeinsame Arbeit vorbereitet?

Golo und Luise standen schon ein halbes Jahr vor Drehbeginn fest und wir haben in dem halben Jahr davor sehr intensiv an den Figuren gearbeitet. Ich einzeln mit den beiden Schauspielern; zusätzlich haben wir noch circa eine Woche vorher Improvisationsarbeit zu der Vorgeschichte ihrer Beziehung gemacht, damit die beiden ein Fundament hatten, was ihre gemeinsame Vergangenheit angeht.

 

Wie lief das eigentlich mit dem Budget? Waren die Proben finanziell abgedeckt durch die Förderung oder wie kann ich mir das vorstellen?

Gute Frage! Fado war ja mein Abschlussfilm, und das war dann eben auch nur mit dem Einverständnis der Schauspieler möglich. Sie hatten Interesse daran, dass das Spiel gut funktioniert. Und da sie wussten, dass das auch eine Bereicherung ist und ihnen für die Rollenarbeit hilft, hatten sie auch Lust darauf.
Es gab eine Aufwandsentschädigung und eine Art sozialistische Gage bei dem Film- alle haben das gleiche bekommen. Somit waren die Proben auch nicht bezahlt.

 

Im Film taucht immer wieder dieses Bild auf, dieser Kupferstich von dem Erdbeben 1755 in Lissabon. Hast du solche Requisiten nach und nach gesammelt, bzw. lief Dir dieses Bild einfach irgendwann zufällig über den Weg?

Es ist tatsächlich so, dass mir das über den Weg gelaufen ist… ich glaube, es war in einer Ausstellung in Lissabon. Ich wusste zum Besipiel gar nicht, dass es 1755 dieses Erdbeben gab. Und dieses Motiv passte dann sehr gut zu der Geschichte und zu dem was Fabian in Lissabon widerfährt. Und so kam der Kupferstich dann auch in den Film.

 

Am Ende erwischt Fabian Doro mit ihrem Liebhaber Nuno im Bett und schlägt ihn.
Ich frage mich, ob ich ein Detail verpasst habe oder einen kurzen Augenblick nicht aufgepasst habe – Ich wusste nicht, ob das real ist oder nicht.

Was glaubst Du?

 

 

Mh,…ich glaube, es passiert nur in seiner Vorstellung.

Also es ist auf jeden Fall nichts, wo Du nicht aufgepasst hast.
Es ist eher die Frage, was beim Zuschauer passiert. Der Film spielt ja die ganze Zeit mit den verschiedenen Ebenen der Wahrnehmung. Es geht um Eifersucht, darum, was real ist und was Vorstellung. Eifersucht ist für mich ein stückweit Kopfkino, das wir alle kennen. Und obwohl wir wissen, dass das nur Vorstellung ist, fühlt es sich an wie Realität. Also der Eifersüchtige kann das nicht wirklich unterscheiden. Und bei Fado wollte ich das gleiche Gefühl im Zuschauer erzeugen. Deswegen sollst du als Zuschauer eben auch nie genau wissen: Ist es jetzt real oder ist es Vorstellung?
Ich selbst habe da für mich eine eindeutige Antwort drauf, so wie du für dich eine mehr oder weniger eindeutige Antwort hast. Aber für mich gibt es nicht die allgemeingültige Erklärung. Sondern es ist eben genau das, was beim Zuschauer selbst passieren soll. DU sollst dir die Frage selber stellen und auch selber beantworten.

 

Jonas, vielen herzlichen Dank für das Interview!

Danke Dir!

REGIE Jonas Rothlaender
DREHBUCH Jonas Rothlaender, Sebastian Bleyl
ROLLEN Golo Euler (Fabian), Luise Heyer (Doro), Albano Jerónimo (Francisco), Pirjo Lonka (Anita), Duarte Grilo (Nuno), Isabel Abreu (Maria)

http://fado.jonasrothlaender.com

ELISE jetzt auf DVD und Blueray

Elise, der Spielfilm vom Kieler Filmemacher Moritz Boll ist jetzt auf DVD und Blueray erhältlich.

 

Inhalt von ELISE

Elise (Maren Kraus) hat gerade ihr Abitur bestanden und steht nun vor den großen Fragen. Wie soll es in ihrem Leben weitergehen? Was ist ihr wichtig? Die Energie, die der Abschluss der Schulzeit freisetzt und der Drang jetzt etwas Großartiges zu erleben wird schnell gedämpft durch den Wunsch ihres Vaters (Martin Friederichs), der Elise die Assistenz der Geschäftsführung seines kleinen Unternehmens anvertrauen will. Die Waggonteil-Servicefirma in Rüdelsbach bei Fulda scheint für Elise aber nicht das Richtige zu sein und so ist sie dankbar, als sie den älteren Künstler und Kurator Dorsday Uckhaus (Michael Mendl) kennenlernt, der Elise und ihre Freundin Maria (Carolin Dietrich) zu sich nach Dänemark einlädt. Er ermutigt die beiden, einen Roadtrip zu machen, einfach einmal rauszukommen, den Gedanken freien Lauf zu geben und jetzt noch nicht über die Zukunft und das richtige Studium nachzudenken.

Elise kann ihren Vater überreden und darf das Auto nehmen. Die Sitze werden ausgebaut und eine Matratze reingelegt, ohne viel Nachzudenken geht es los. Elise und Maria fahren durch Deutschland bis in den Norden von Dänemark und erleben eine aufregende Reise mit vielen besonderen Begegnungen und Erlebnissen. Elise merkt, wie viele unterschiedliche Möglichkeiten das Leben bereit hält und will kompromisslos jeden Moment auskosten. Woher soll man wissen, was man will, wenn man noch gar nichts ausprobiert hat?

Bei Uckhaus angekommen taucht Elise ein in eine andere Welt: Uckhaus ist ein charmanter, belesener, wohlhabender Künstler, der sich mit Gleichgesinnten in Galerien trifft und Elise eine vollkommen gegensätzliche Art zu leben zeigt. Elise ist fasziniert von Uckhaus‘ freigeistiger Art und auch dieser fühlt sich zu der jungen Frau hingezogen. Er fragt Elise, ob er sie nackt zeichnen dürfte…

 

Bestelllink:

http://moritzbollfilm.de/pages/filmproduktionen/elise/dvdbluray.php

Mehr über Moritz Boll und seinen Film findet ihr hier:
Interview: Moritz Boll über seinen neuen Film „Elise“
Bericht von der Premiere in Kiel

Filme aus Schleswig-Holstein bei den 58. Nordischen Filmtagen

3138 Filme haben es in diesem Jahr in die Sektion Filmforum der 58. Nordischen Filmtage geschafft, davon nur neun Filme mit Bezug zu Schleswig-Holstein und zwei, die ihre Drehorte ganz oder teilweise im nördlichen Bundesland angesiedelt haben. Hier findet ihr alle neun Filme im Überblick.

 

A Shape of Time (D, 2016)

03.11.201 – 10:15 Uhr – CineStar – Kino 7

Der Dokumentarfilm wurde u.a. auf dem Filmfest Schleswig-Holstein 2016 ausgezeichnet.

Jo Kondo (geb. 1947) ist einer der interessantesten Komponisten zeitgenössischer Musik in Japan. Seine Musik entsteht intuitiv und wirkt gleichzeitig abstrakt. Sie ist ohne eindeutige Richtung und doch nicht ohne Form. Für das japanische Publikum klingt sie „westlich“ und im Westen wird sie als „japanisch“ wahrgenommen. Eine Musik zwischen den Kategorien. Wie Kondos Musik wechselt auch der Film Ort und Richtung: ein Konzert im Muziekgebouw in Amsterdam, eine exklusive Sushibar in Tokio, eine Rundfunkproduktion im Kölner Sendesaal des WDR und der Zuisen-ji-Tempel in Kamakura, einer Stadt nahe Tokio. Kondo möchte, dass seine Musik „normal“ erscheint, ohne extravagante Oberfläche oder Narration. „A Shape of Time” begleitet Kondo zu Proben, Konzerten und Unterrichtsstunden und wird Zeuge seines langsamen Kompositionsprozesses – in klaren, streng aufgebauten Bildern.

REGIE Viola Rusche, Hauke Harder

 

Dead Girls Don’t Love (D, 2015)

04.11.2016 – 22:15 Uhr – CineStar – Kino 7

Völlig aufgelöst berichtet ein Mädchen der Polizei, wie ihre Freunde erschossen wurden und sie sich gerade noch rechtzeitig verstecken konnte. Dabei begann alles als aufregender Spaß: Die vier Jugendlichen Alex, Lucy, Marty und Nele brechen nachts in ein Schwimmbad ein, um zu feiern. Doch schon bald schleichen sich Unstimmigkeiten ein, die in den dunklen Gängen unter dem Becken eskalieren.

REGIE Philipp Westerfeld

 

Der lesende Mann

03.11.2016 – 16:15 Uhr – CineStar – Kino 7

Aus Verehrung für den Mangaka Jiro Taniguchi reist „Der lesende Mann“ – eine Anspielung auf „Der spazierende Mann“, einem Manga mit dem sich der Künstler endgültig realistischen Geschichten zuwandte – nach Japan. Seine Suche bleibt zwar leider vergebens, aber nicht folgenlos.

REGIE Gerald Koll

 

Fado (D/P 2016)

06.11.2016 – 19:15 Uhr – CineStar – Kino 7

Hier geht’s zum Interview zum Film

Die Trennung von seiner Freundin Doro stürzt Fabian in ein emotionales Loch. Der junge Arzt vergräbt sich in seiner Arbeit und erst der Tod einer Patientin reißt ihn aus seiner Lethargie. Kurz entschlossen fährt er nach Lissabon, wo Doro mittlerweile als Architektin arbeitet, um sie von einem Neuanfang zu überzeugen. Sein plötzliches Auftauchen irritiert Doro, zu schmerzhaft sind die Erinnerungen an ihre gemeinsame Zeit. Aber Fabian gibt nicht auf. Er gelobt Besserung, sucht sich eine Wohnung und einen Job, lernt Portugiesisch und zeigt seine unbeschwerte Seite. Doros Vorbehalte schwinden und ihre Beziehung gewinnt wieder Leichtigkeit. Bis Fabians Eifersucht erneut entfacht wird. – Das sehr stimmungsvolle, mit starken Bildern inszenierte Spielfilmdebüt von Jonas Rothlaender wurde beim Max-Ophüls-Preis 2016 mit dem Preis für die Beste Regie ausgezeichnet.

REGIE Jonas Rothlaender

 

Irgendwo Zuhause (D, 2016)

04.11.2016 – 22:15 Uhr – CineStar – Kino 7

Nach dem Tod ihres geliebten Großvaters versinkt die 17-jährige Lena in Trauer. Sie verschanzt sich in einer Fabelwelt, geht nicht mehr zur Schule und haut nach einem heftigen Streit mit ihren Eltern kurzerhand von zu Hause ab. Ohne Ziel trampt sie los und trifft dabei auf den 18-jährigen Eric, der sie in seinem Camper mitnimmt.

REGIE Thorben „Thowo“ Wolkowski

 

Der Junge im Meer (DK, 2016)

03.11.2016 – 22:15 Uhr – CineStar – Kino 7

Während der zwölfjährige Mathias mit seinen Eltern Segelurlaub vor der dänischen Küste macht, entdeckt er seine Sexualität. Vor allem ein dänisches Mädchen, das er zufällig vom Boot aus beobachtet und später an Land kennenlernt, beflügelt seine Fantasie. Nur dass seine Eltern ihn wie gewohnt als Kind behandeln, erträgt Mathias nur noch schwer.

REGIE Friedrich Tiedtke

 

Von Bananenbäumen träumen

05.11.2016 – 16:15 Uhr – CineStar – Kino 7

Die Bewohner von Oberndorf wollen nicht länger tatenlos zusehen, wie ihr Dorf immer mehr verwaist. Ein ehrenamtlich betriebenes Café macht den Anfang. Als jedoch die Schule geschlossen werden soll, erkennen Einheimische und Zugereiste, dass sie vor einer viel größeren Herausforderung stehen: Das Dorf muss Geld verdienen, damit die jungen Familien nicht abwandern. Mithilfe eines Projektentwicklers schmieden sie einen kühnen Plan und gründen eine Aktiengesellschaft. Ihr Geschäftsmodell basiert auf Gülle, die im Überfluss vorhanden ist. Mit ihr soll eine Biogasanlage betrieben werden, die die Aufzucht afrikanischer Welse – einer wohlschmeckenden Speisefischart – und den Betrieb von Treibhäusern für exotische Früchte wie Bananen in einem abfallfreien Kreislauf möglich macht. Die Idee zündet. Doch bis die ersten Fische kommen, ist es ein weiter Weg.

REGIE Antje Huber

 

Rhythmus

04.11.2016 – 22:15 Uhr – CineStar – Kino 7

Aaron steht kurz vor dem Abitur und hat alles, was er braucht. Doch seine Eltern nehmen ihn kaum zur Kenntnis und selbst Provokationen reißen sie nicht aus ihrer Gleichgültigkeit. Aus Protest zieht Aaron abends los und beklaut wildfremde Menschen. Bis ihn Nina erwischt, die seine Beutezüge in ihrem Revier schon länger beobachtet. Die freche Ausreißerin bringt seine wohlgeordnete Welt ins Wanken.

REGIE Sebastian Husak

 

The Lost Ones

04.11.2016 – 22:15 Uhr – CineStar – Kino 7

Eine schüchterne junge Dänin schottet sich von der Gesellschaft ab und verbringt ihre Zeit als Nachtwächterin in Industrieanlagen. Bis ein stiller, sehr charmanter Fremder ihre Aufmerksamkeit weckt. Trotz innerer Zweifel folgt sie ihm in seine Heimat, nur um dort eine böse Überraschung zu erleben.

REGIE Dima Lochmann

Nicht theoretisch sondern praktisch: Drehbuchdramaturgie zum Anfassen

Bücher zum Thema Dramaturgie gibt es für Autoren in Hülle und Fülle. Doch nicht viele davon sind in der Praxis hilfreich, wie schnell festgestellt wird. Sie versteifen sich zu sehr auf die theoretischen Grundlagen und bieten oft nur die gleichen, immer wiederkehrenden Informationen.

 

Eine Rezension von Anna-Lena Möller

So ganz anders das Buch von Christian Mertens und Bartosz Werner „So bekommen Sie Ihr Drehbuch in den Griff“. Es versteht sich als „Nahrungsergänzungsmittel“, als SOS-Ratgeber, um in der Praxis kurzfristig Fehler in der Drehbuchdramaturgie zu erkennen und zu vermeiden. Doch dieses selbstgegebene Mantra wird dem Buch nicht gerecht, denn es vermittelt mehr als das.

 

 

Die Vorteile des Buches liegen gerade in seiner leicht lesbaren Art und seinem direkten Praxisbezug. In den sieben Kapiteln wird ein solider Überblick über die von den Autoren in der Praxis am häufigsten bemerkten Schwierigkeiten im dramaturgischen Aufbau gegeben. Die Theorie wird dabei fast nebenbei vermittelt und aus jedem Kapitel kann ein „Catchphrase“, also eine Eselsbrücke, für die eigene Arbeit mitgenommen werden.

 

 

Den Kern des Buches bildet die Beschäftigung mit der Figur. Und sind Punkte, wie die Bedürfnispyramide oder die fünf Phasen der Trauer bereits aus anderen Zusammenhängen bekannt, so schaffen es die Autoren doch einen anderen Blickwinkel auf diese dramaturgischen Hilfsmittel zu eröffnen. Und so scheint das Buch immer wieder auch eine Anleitung zum guten Beobachten zu sein . Das dynamisch und weniger Blaupause sein will.

Auch was die Filmbeispiele angeht werden die Leser abgeholt. Als Beispiele dienen nicht die üblichen, oft veralteten oder wenig bekannten Arthousefilme, sondern die Mainstreamerfolge der letzten Jahrzehnte: Dirty Dancing, Rocky, Titanic oder Fight Club.

 

 

Ein „Nahrungsergänzungsmittel“ ist dieses Buch also bei Weitem nicht. Es verbindet Theorie mit praktischer Umsetzbarkeit und lohnt sich deshalb nicht nur für Regisseure und Filmemacher, sondern auch für jeden Prosaautor und jeden interessierten Laien.

Weitere Informationen unter: www.drehbuchimgriff.de und auf facebook.

 

Zur Autorin:
Anna-Lena Möller ist Leiterin der Kieler Drehbuch Werkstatt, die einmal im Monat stattfindet.

Die Bilder entstanden bei der Release-Party am 30. September 2016 im Café Godot.

 

Nachbericht vom Lichtworkshop mit Achim Dunker

Am 1. Oktober 2016 war Lichtexperte und Buchautor Achim Dunker in Kiel. Der ausgebuchte Workshop “Einführung in die Filmlichtgestaltung”, der vom Verein Kulturelle Filmförderung SH e.V. organisiert worden war, hielt einige positive Überraschungen bereit und die Erkenntnis: Vergesst die Dreipunktbeleuchtung.

 

 

Was wollt ihr erzählen?

Nach einer kurzen theoretischen Einführung ging es für die Teilnehmer sofort ins Eingemachte. Noch bevor wir uns versahen, hatten wir den ersten Scheinwerfer in der Hand und sollten Achim Dunker, der sich als Modell zur Verfügung stellte, ausleuchten. “Warum brauchen wir eigentlich Licht?” Gute Frage, weil es sonst zu dunkel ist? “Wichtig ist zu wissen, was man eigentlich erzählen will”, erklärt Dunker, “was geht in der Figur vor, in welcher Situation befindet sie sich.” Denn was gern vergessen wird ist, dass das Licht im Film genauso ein narratives Mittel ist wie die Kameraeinstellungen, der Ton, das Schauspiel und das Production Design.

 

 

Dreipunktbeleuchtung? Aufhellen ist nicht

Die zweite Erkenntnis an diesem Tage erstaunt einen Großteil der Teilnehmer, die in der Uni oder bei anderen Filmseminare die berühmte Dreipunktbeleuchtung gelernt haben. Wer Aufhellen muss, hat den ersten Scheinwerfer nicht richtig eingerichtet. Das ist wie eine Reparatur. So bestanden alle Übungen zum großen Teil nur aus zwei Scheinwerfern. Der dritte kam nur zum Einsatz, wenn ein Muster in den Hintergrund geleuchtet werden sollte oder ein Augenlicht notwendig war. Dabei lernten die Teilnehmer eine ganze Handvoll technischer Kniffe und konnten durch Experimente ihren Blick auf die Wirkung des Lichts schärfen.

 

 

Experte mit hohen Sympathiefaktor

Achim Dunker überzeugte nicht nur durch sein Wissen, das er sich an vielen Filmsets als Oberbeleuchter angeeignet hatte. Mit seiner fröhliche rheinische Art hielt er seine Schüler am Ball und motivierte sie zum Ausprobieren. Dabei hilfreich war sein kleines Buch “Portrait Lighting for Photo, TV and Cinema”, das er immer wieder in die Hand nahm. In der kleinen Handreiche sind unzählige Beispiele aufgeführt, wie Licht effektiv genutzt und gestaltet werden kann.

Die Kulturelle Filmförderung SH e.V. wird Achim Dunker für weitere Workshops buchen. Genaue Termine erfahrt ihr hier und bald auch auf der neuen Homepage des Vereins.

 

Flüchtlinge erhalten Filmpreis beim landesweiten Wettbewerb

„Ein geschenkter Tag“ (ausgeschrieben vom Kulturbüro der Stadt Neumünster) erhält eine DaZ – Schüler-Projektgruppe von der Walther-Lehmkuhl Schule in Neumünster einen Jurypreis. Das Team besteht aus jugendlichen Flüchtlingen, die meist ohne Erwachsene vor Krieg, Terror und Armut nach Deutschland geflohen sind. Die Schüler erhalten seit einigen Monaten in dem Berufsbildungszentrum in Neumünster Deutschunterricht und können in verschiedenen Kursen u.a. im Bereich Kultur(Musik/Theater/Film etc.) Kenntnisse erlangen und ihre Fähigkeiten verstärken. Gefördert wird das Projekt vom Bildungsministerium Schleswig-Holstein in Zusammenarbeit mit dem Kulturbüro der Stadt.

Das Filmteam der DaZ-Klassen hat gemeinsam einen fünfminütigen Film zum Thema Freundschaft, Sucht und neue Chancen in mehrwöchiger Arbeit produziert. Gemeinsam wurden Ideen, Drehbuchentwürfe, Schauspiel, Kamera, Ton und Inszenierung erarbeitet und ausgeführt. Die Wettbewerbsaufgabe „Ein geschenkter Tag“ wurde in dem Film parabelhaft eingearbeitet und mit einfachen filmischen Mitteln erzählt. Über die Auszeichnung freut sich das zwölfköpfige Team, das aus Jugendlichen (zwischen 15-20 Jahren) aus Afghanistan, Iran und Palästina besteht, sehr.

„Eine wunderbare Anerkennung für alle Teilnehmer, die sich sehr engagiert und sich toll integriert haben!“, äußert sich begeistert Filmkursleiter Claus Oppermann. Die Preisträger fahren im November zur Internationalen Bildungsstätte Jugendhof Scheersberg (bei Flensburg), um Jugendliche aus ganz Schleswig-Holstein kennenzulernen, die dort auf dem Jugend-Film-Fest ihre eigenen Filme präsentieren und mit anderen jugendlichen Teilnehmern diskutieren.

Nach einer Pressemitteilung von Claus Oppermann

Filmfestival in Clubatmosphäre- oder was hat ein Eimer mit dem DBA zu tun?

Zum elften Mal öffnet am 8. September 2016 der Club Luna in Kiel seine Türen für das Kurzfilmfestival von DER BEWEGTE ABEND. Die flauschigen Sofas und Sessel werden zurechtgerückt und zwei Leinwände aufgestellt. Filmemacher aus ganz Deutschland und sogar Dänemark präsentieren ihre Kurzfilme. Die letzte Klappe fällt und Film ab!

Ein Bericht von Lisa Strobel

Der erste Streifen JAMES BOMB schleicht sich à la Geheimagenten Manier auf die Leinwand. Die kurze und knackige Animation wird wortwörtlich gesprengt vom nächsten Filmbeitrag: DER BRENNENDE BUS VON KIEL. Eine Mockumentary, die während des „Nur 48 Stunden“-Wettbewerbs in Kiel entstanden ist. Sehr trashig, mit viel boom boom. Zusammen mit einem ganz besonderen Farbenspiel beweist der Kurzfilm fantastischen Humor, doch der Fall bleibt trotzdem ungelöst. Der Bus steckt in einer Zeitschleife fest und die Legende kann nicht aufgelöst werden.

Bei wem das Emotionen ausgelöst hat, für den kommt der nächste Film ganz recht. GROW HATE heißt der Kurzfilm eines dänischen Filmemachers. Er zeigt die Psyche eines Jungen der gemobbt wird. Hass steht im Mittelpunkt und wird visualisiert mit Tonelementen und zahlreichen Überblendungen. GROW HATE ist sehr wirkmächtig und intensiv. Der Produzent ist trotzdem überzeugt von seinem Werk. Dass er selbst die Hauptrolle übernommen hat, begründet er mit folgenden Worten: „Ich mache das selbst am besten.“

Zum ersten Mal richtig nass wird es im Anschluss. Als audiovisuelle Erfrischung taucht das Publikum in Unterwasseraufnahmen aus isländischen Flüssen ein. Die Story fehlt leider und die Aufnahmen sind holprig. Die Filmemacherin begründet das mit schweren Bedingungen beim Dreh und fischähnlichen Bewegungen mit der GoPro. Fische und Wasser gibt es auch im nächsten Beitrag.

Grundvoraussetzung ist folgende Frage fürs Film schauen: Was braucht man für einen See? Wer jetzt verdutzt guckt, bekommt folgende Antwort: Man nehme einen Eimer, stecke ihn in einen Kontrollschacht, wie den Pfropfen in einer Badewanne und dann wartet man. Das Wasser steigt von selbst. Und fertig ist ein Eimersee. Skurril aber wahr, wurde genau das in Eckernförde so umgesetzt und schlug seinen Wellen sogar bis nach Asien. Der Dokumentarfilmer Sven Bohde hat dieses Naturerlebnis, dass sonst keiner mitbekommen hat, aufgenommen. In einem 15-Minüter präsentiert er den sympathischen Naturschutzbeauftragten der Stadt Eckernförde, Michael Packschies. Gummistiefel an und auf geht es zu einer Erkundungstour rund um den Eimersee. Unfreiwillig witzig, aber dabei wahnsinnig kompetent erzählt Packschies von seinen Tier Inventarlisten, die er führt und macht Krötenvergleich mit Bohde. Dann haben die beiden „einfach Bock in den See zu steigen.“ Warthose an und los geht es auf die Suche nach dem Eimer. Es herrscht Ausflugsstimmung und das komplexe Thema wird dabei mit geringem Aufwand einwandfrei erklärt. Trotzdem warnt Bohde: Bitte nicht nachmachen.

Experimente betreibt nicht nur Sven Bohde, sondern auch Jessica Dahlke mit ihrem Film END UP NOW. Ästhetische Naturbilder zu Beginn und visionäre Aufnahmen aus der Zukunft werden unterstützt mit passenden Geräuschen und zeigen einen Kontrast zwischen Moderne, Zukunft und Vergangenheit. Ein gelungener Experimentalfilm.
In eine ganz andere Richtung schlägt das nächste Musikvideo. Mit tollem Licht, gräulicher Grundstimmung und modernem Stil wird die Geschichte von Vater und Sohn erzählt. Emotion, Verzweiflung, Schmerz und Trauer werden gut übertragen und sorgen für Gänsehaut beim Publikum.

Von großen Gefühlen erzählt auch der Kurzfilm FICKEN. Was erwartet die Zuschauer wohl bei diesem Titel? Zwei Männer liegen in einem Bett und „spielen“. Plötzlich klingelt die Affäre. Hoffentlich kommt nicht auch noch die Freundin dazu. Blöd nur, dass die beiden Affären Geschwister sind. Verwirrt? Kein Wunder bei diesem etwas anderen vierer Gespann. Ein schmaler Grat zwischen Betrügen, Gefühlschaos und absurder Comedy. Ein Film, der mit den Erwartungen der Zuschauer bricht. Die Achsensprünge seien den Machern verziehen- schließlich werden sie auch als Experiment deklariert.

Bevor die letzte Klappe fällt brettert die WOLFGÄNG noch mit Fuchsschwanz, Mofa und Vokuhila auf die Leinwand. Dieser ikonische Beitrag des „Nur 48 Stunden“-Wettbewerbs sorgt für Begeisterung beim Publikum. Epische Drohnenbilder und ein einzigartiger Soundtrack machen den Kurzfilm zum Unikat.

Trotzdem gewinnt ein anderer. Was wir zuvor fast alle nicht wussten, ist was eben ein Eimer mit dem DBA Filmfestival zu tun hat. Aus diesem Grund oder vielleicht auch, weil der Dokumentarfilm auf ganzer Linie überzeugt hat (bis nach Japan), gewinnt Sven Bohde beim 11. DBA Filmfestival. Es bleibt spannend, welche Überraschungen beim nächsten bewegten Abend folgen werden.

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