Kieler Woche der Kinos – Altes Kino, Neues Kino

Die Kieler Woche der Kinos startet in die vierte Ausgabe. Vom 3. bis 8. September 2019 können Kinoliebhaber*innen und die, die es noch werden wollen, Kinoklassiker und Previews auf großer Leinwand erleben. Das Programm gewohnt gemischt mit Dokumentarfilmen, Spielfilmen und einem Stummfilmklassiker mit Live-Musik.

Schon zum vierten Mal veranstalten die Kieler Kinos eine gemeinsame Veranstaltungsreihe, die den Kieler Besucher*innen Klassiker und Filme außerhalb des üblichen Programms näher bringen will. In diesem Jahr aufgrund terminlicher Probleme des Cinemaxx und des metroKino im Schloßhof sowie dem Umbau des Hansafilmpalastes erstmals in reduzierter Besetzung. „Das soll sich aber im nächsten Jahr wieder ändern“, versichert Dennis Jahnke vom Studio Filmtheater am Dreiecksplatz, der zusammen mit Zara Zerbe (Kino in der Pumpe) und Andreas Steffens (Traum-Kino) das diesjährige Programm zusammengestellt hat.

Das Motto „Altes Kino – Neues Kino“ stellt diesmal Filmklassiker und noch nicht veröffentlichte Filme nebeneinander. Es geht ums Entdecken. „Ältere Filme kommen noch relativ selten auf die Leinwand zurück“, erklärt Andreas Steffens, „bei manchen Filmen ist es sogar schwer, sie überhaupt noch irgendwo zu sehen.“ So ist es auch mit dem sowjetischen Stummfilm „Kosmische Reise“, der zwar 1936 gedreht wurde, aber schnell wieder aus den russischen Kinos verschwand und erst 1980 wiederentdeckt wurde. In Deutschland ist der Film erst seit 2010 bekannt. „Man kann hier also schon von einer kleinen Kinorarität sprechen“, sagt Zara Zerbe. Live am Klavier begleitet wird der Stummfilm von Willem Strank, der regelmäßig Stummfilmevents im Kino in der Pumpe veranstaltet.

Der Programmschwerpunkt Neues Kino wird vor allem von Previews bestritten, also Filmen, die noch keine Premiere hatten. Dabei soll es auch politisch sein dürfen. Hochaktuell ist der Dokumentarfilm „Driving Europe“, der Europa einer Bestandsaufnahme unterzieht. Um Freiheit und Selbstbestimmung geht es im Spielfilm „The White Crow“, die Geschichte eines sowjetischen Balletttänzers, der nach einer Aufführung im Westen bleiben will. Auf eine Überraschungspremiere darf sich das Publikum dann am 7.09.2019 im Traum-Kino freuen.

Driving Europe

Das Programm

Driving Europe (D 2019) – 03.09.2019

Mit dem Gefühl Europa driftet auseinander, begeben sich Ina, Felix und Tim auf eine außergewöhnliche Reise. Sie verlegen ihre Hamburger WG in einen selbstausgebauten Van. Ihr Ziel: In jedem EU-Land mit den unterschiedlichsten Menschen über deren Hoffnungen und Ängste hinsichtlich der Europäischen Union zu sprechen. Entstanden ist eine Dokumentation mit überraschenden Ideen für eine gemeinsame Zukunft und emotionalen Einblicken in die Gedankenwelt der Menschen – zusammen mit atemberaubenden Naturaufnahmen.

Dokumentarfilm mit anschließendem Filmgespräch mit den Filmemachern

D 2019. 90 Min. FSK 0. R: Felix Hartge, Ina Bierfreund, Tim Noetzel.

Dienstag, 03.09., 20:30 Uhr, Studio Filmtheater am Dreiecksplatz

Harold und Maude (USA 1971) – 04.09.2019

Liebesfilm, schwarze Komödie. Ein lebensmüder junger Mann und eine lebenslustige Oma treffen sich. Liebesfilm und schwarze Komödie, ein Kultfilm für Nonkonformisten. Deutsche Sprachfassung.

US 1971. 91 Min. FSK 12. R: Hal Ashby. Mit Bud Cort, Ruth Gordon. Musik: Cat Stevens

Mittwoch, 04.09., 20:00 Uhr, Traum-Kino

Harold und Maude

LOLA rennt (D 1998) – 05.09.2019

Thriller, Drama. Manni hat Schulden und das nicht zu knapp. 100.000 DM schuldet der kleine Kurier seinem Oberhehler. Wenn er nicht bezahlt, geht’s ihm an den Kragen. Mannis Freundin Lola hat noch 20 Minuten, um das Geld von der Bank zu holen – 20 Minuten bis Mannis Auftraggeber erscheint. 20 Minuten, die über das Leben ihres Freundes entscheiden. Also rennt Lola los…

D 1998. 81 Min. FSK 12. R: Tom Tykwer. Mit Franka Potente, Moritz Bleibtreu

Donnerstag, 05.09., 20:30 Uhr, Studio Filmtheater am Dreiecksplatz

Nurejew – The White Crow (GB 2019) – 06.09.2019

Biopic, Drama. Beruhend auf wahren Ereignissen erzählt Regisseur und Darsteller Ralph Fiennes in die Geschichte des legendären sowjetischen Ballettstars Rudolf Nurejew, der die Welt 1961 mit seiner Flucht nach Frankreich verblüffte. Die Rolle Nurejew interpretiert eindrucksvoll der ukrainische Weltklasse-Balletttänzer Oleg Ivenko.
Paris in den 1960er Jahren: Der Kalte Krieg befindet sich auf seinem Höhepunkt und die Sowjetunion schickt ihre beste Tanzkompanie in den Westen, um ihre künstlerische Stärke zu demonstrieren. Das Leningrader Kirow-Ballett begeistert die Pariser Zuschauer, aber ein Mann sorgt für die Sensation: der virtuose junge Tänzer Rudolf Nurejew. Attraktiv, rebellisch und neugierig, lässt er sich vom kulturellen Leben der Stadt mitreißen. Begleitet von der schönen Chilenin Clara Saint streift er durch die Museen und Jazz-Clubs der Stadt, sehr zum Missfallen der KGB-Spione, die ihm folgen. Doch Nurejew genießt den Geschmack der Freiheit und beschließt in Frankreich politisches Asyl zu beantragen. Ein höchst riskantes Katz- und Mausspiel mit dem sowjetischen Geheimdienst beginnt.

GB 2019. 122 Min. FSK 6. R: Ralph Fiennes. Mit Oleg Ivenko, Ralph Fiennes

Freitag, 06.09., 20:30 Uhr, Kino in der Pumpe

Kosmische Reise

Überraschungs-Premiere – 07.09.2019

Überraschungsvorpremiere eines ganz neuen Films vor dem Bundesstart!

Samstag, 07.09., 20:00 Uhr, Traum-Kino

Kosmische Reise (UdSSR 1936) – 08.09.2019

Science-Fiction. Moskau 1946: Der betagte Professor Sedych leitet ein Raumfahrtprogramm, deren Ziel eine Mondlandung ist. Der junge Professor Karin zweifelt an den Fähigkeiten des alten Wissenschaftlers. Die ersten Raketen-Starts scheitern scheinbar, doch dann gelingt die Mondlandung und die Raumfahrer müssen Abenteuer meistern. „Kosmische Reise“ ist der letzte sowjetische Stummfilm.

Am Klavier Willem Strank

UdSSR 1936. 70 Min. FSK n.A. . R: Vasilij Zuravlev. Stummfilm

Sonntag, 08.09., 20:30 Uhr, Kino in der Pumpe

Mehr Informationen gibt es auf Facebook

Geschichten aus dem Grenzland – Projekt 2020

Im kommenden Jahr feiern wir 100 Jahre Deutsch-Dänische Grenzziehung. Die FORWARD FILMPRODUKTION aus Sörup nimmt das Jubiläum zum Anlass, Menschen aus dem Grenzland ihre Geschichten erzählen zu lassen. Der erste Beitrag aus der offenen Kurzfilmreihe „Projekt 2020 – Eine Grenze. Die Menschen. Ihre Geschichten.“ ist seit Freitag auf YouTube und Facebook zu sehen. 

Eine dänische Schülerin, die sich eine deutsche Rentnerin als Wahl-Oma aussucht. Ein dänischer Landwirt, der in dem neuen Wildschweinzaun eine Herausforderung für die deutsch-dänische Zusammenarbeit sieht. Ein angehender deutscher Einzelhandelskaufmann, der seine Ausbildung grenzüberschreitend absolviert. Sie sind die ersten Protagonisten, die im Rahmen des „Projektes 2020“ ihre individuelle Geschichte aus der Grenzregion erzählen. 

Die Interviews für die nächsten Filmbeiträge sind bereits im Schnitt oder werden aktuell gedreht. „Es sind immer wieder auch ‚eckige‘ Themen dabei“, stellt Thomas Dethleffsen, Geschäftsführer von FORWARD, klar. So kommt unter anderem eine Krebspatientin zu Wort. Sie lebt kurz hinter der Grenze auf der dänischen Seite. Aufgrund einer Gesetzesänderung muss sie für ihre Strahlentherapie nun weiter ins Landesinnere fahren, statt wie bisher ins nahe gelegene Flensburg. 

Zu den weiteren Protagonisten werden u. a. ein ehemaliger Grenzpolizist, die Faustballer der deutschen Minderheit in Dänemark, die gleichzeitig in der dänischen Nationalmannschaft punkten, und ein Däne zählen, der in Flensburg unter anderem als Stadtführer arbeitet. „Wir freuen uns jederzeit auf weitere Vorschläge“, so Dethleffsen. „Mit dem Projekt wollen wir Geschichten-Schätze aus der Region heben. Es ist unser Beitrag zu dem Jubiläum, das wir mit allen Menschen feiern wollen, die in unserer Region leben oder sich für sie interessieren.“ Mindestens sieben weitere Kurzfilme mit je drei bis vier Protagonisten aus Deutschland und Dänemark sollen in den kommenden Monaten folgen. 

Der Umfang des Projektes ist nicht festgelegt, und auch zeitlich ist es nicht begrenzt. Zwar habe das Jubiläum im kommenden Jahr den Anstoß für die Eigenproduktion gegeben, aber „wir positionieren uns nicht nur im Jubiläumsjahr und hören dann wieder auf damit“, betont Dethleffsen. Gezeigt werden kleine menschliche Geschichten, aber auch Beiträge mit kontroversen Positionen zum Thema Grenze. „Wir zeigen die Bedeutung der deutsch-dänischen Grenze in unterschiedlichen Dimensionen. Von Mensch zu Mensch.“ 

Der Ablauf der ersten Dreharbeiten habe bereits einen wichtigen Aspekt an der Grenze gezeigt, berichtet Sönke Lassen: „Die Verständigung untereinander läuft völlig unkompliziert.“ Auch sonst sei die Erfahrung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit durchweg positiv. Das bisherige Fazit des Regisseurs: „Jeder ist aufgeschlossen, freundlich und hilfsbereit. Ob Deutscher oder Däne, deutsche Minderheit, dänische Minderheit, Lokalpatriot oder überzeugter Europäer.“

Die Kurzfilme sollen nicht nur über YouTube und Facebook verbreitet werden. Es ist geplant, die Filme zudem auf weiteren Online-Plattformen sowie auf Veranstaltungen im Rahmen der Feierlichkeiten zu zeigen. Ihre Protagonisten hat die Söruper Filmproduktion unter anderem über Recherche im Internet, intensive Zeitungslektüre, Empfehlungen und Facebook-Aufrufe gefunden. Thomas Dethleffsen: „Wir hoffen, dass sich unsere Idee rumspricht und sich weitere Menschen bei uns melden, die ihre Geschichte erzählen möchten.“

Nach einer Pressemitteilung der Forward Filmproduktion


Finale „Nur 48 Stunden“ – Das Familientreffen der Filmszene

42 Teams haben vom 17. bis 19. Mai Filme gedreht. Unter dem Motto „Endstation“ konnten sie kreativ werden. Vierzehn von ihnen haben es in diesem Jahr in das Finale des „Nur 48 Stunden“-Wettbewerbs geschafft, des wohl schnellsten Filmwettbewerbs des Landes. Im metroKino wurden nun die Sieger gekürt.

Ein Bericht und Bilder von Anna Lena Möller

Viele Protagonisten hießen in diesem Jahr Ella und Valentin, denn das war eines der Elemente, welche die Filmemacher*innen in diesem Jahr in ihrem Film unterbringen mussten. Eine Vorgabe, die sicherstellen soll, dass der Film tatsächlich in 48 Stunden gedreht wird. Daneben sollte eine Yoga-Übung und ein Versprecher untergebracht werden. Und so schallte immer wieder ein Lachen durch den Saal, ob der kreativen Lösungen, die die Filmemacher*innen gefunden haben.

Kameramann Björn Kurtenbach im Gespräch mit Daniel Kröhnke (Filmkultur SH)

Genrefilme und besondere Filmtechnik auf dem Treppchen

Die Konkurrenz war stark in diesem Jahr. Und wie jedes Jahr gab es ein paar Filme, die rein stilistisch sich von den anderen abhoben. Da gab es „Space Out“ von Reinhold Hansen, das sich den filmischen Mitteln eines Musikvideos bediente. Da war der Dokumentarfilm „Ich liebe dich“ von Oliver Boczek und die Mockumentary „Endstation“ von Jackie Gillies. Letztere konnte sich nicht nur über den dritten Preis, sondern auch über den Publikumspreis freuen.

Jackie Gillies und Team

Eine Auszeichnung gab es auch für den Stop Motion Film „Haimweh“ von Leonore Reuleke, eine Filmform, die nur selten in diesem Wettbewerb verwendet wird. Dieses Projekt gewann den Zweiten Preis.

Gewinnerin Leonore Reuleke

Nachwuchs und alte Hasen

Die jüngsten Teilnehmer*innen des Wettbewerbs waren 12 Jahre alt. Mit Terra präsentierte Tim Bielefeld einen Endzeit-Film, für den er am Ende des Abends mit dem Nachwuchs Preis ausgezeichnet wurde.

Viele alte Wettbewerbshasen schaffen es ebenfalls ins Finale. Da ist „Aufwärts“ von Johann Schultz, ein Wettbewerb zwischen Fahrstuhlfahrer und Treppensteigerin mit einer gewohnten Prise Surrealität. Da ist „Liar’s Dice“ von Torben Sachert und Olli Ott, die sich nach der bildgewaltigen Mise-én-Scene im vorigen Jahr für ein reduziertes Kammerspiel eingelassen haben. Da ist der Genre Mix „Rewinders“ von Janis Lippisch mit seiner sehr norddeutschen Verfolgungsjagd mit der Schubkarre und Merlin Slamanigs actiongeladener Agenten Thriller „Tripplem“ sowie „Kopfkino“ von Junit Weber.

Und der Preis geht an …

Die Jury bestehend aus Julia Gläsker, Matthias Fey und Felix Arnold verlieh am Ende des Abends den Jürgen-Prediger Preis an den Film „Zwei Halbe Hähnchen“ eine augenzwinkernde Mockumentary über einen Stand für gebratene Hähnchen, der gleichzeitig auch als Dating-Börse fungiert.

Jantje Knecht und Team gewannen den ersten Preis

Impressionen Eröffnung des 23. Filmfests Schleswig-Holstein

Zum Sonnenuntergang luden die Veranstalter*innen des Filmfestes in den Hinterhof der Pumpe ein, wo bei Streetfood und Sekt die feierliche Eröffnung des Filmfestes begangen wurde. Bei den Ansprachen durch die Festivalleiter Arne Sommer und Daniel Kröhnke, der Politik Prominenz Oberbürgermeister Ulf Kämpfer und Dr. Oliver Grundei, Staatssekretär für Wissenschaft und Kultur und Vereinsvorsitzender Christoph Zickler von Filmkultur SH e.V. wird immer wieder die Bedeutung und enge Verbindung von Wissenschaft und Kultur, von Filmbranche und Ausbildungsstätten, von Stadt und der regen Filmszene hier vor Ort betont.

Zudem übergab Johann Schultz vom Landesverband Jugend und Film in einer rührenden Szene Christoph Zickler einen Award zum 30-jährigen Bestehen des Vereins Filmkultur Schleswig-Holstein e.V.

Nach einem kurzen Vorprogramm findet die Preisverleihungen der Filmpreise der Muthesius Kunsthochschule und der FH Kiel statt. Den Nichtsilbernen Hering gewinnt Saleh Shaweesh mit „Kardamom“. Der Peter K. Hertling Preis geht in drei Kategorien an das Coroporate Video „kulturshäre.sh“, den Dokumentarfilm „Mettenhof – eine neue Heimat“ und den Kurzfilm „Cast Me If You Can“.

Im Anschluss konnten die Gäste  den Abend in der Pumpe gemütlich ausklingen lassen.

Bilder und Bericht Anna Lena Möller

23. Filmfest Schleswig Holstein: Das war der Hochschultag

Es ist ein Experiment, dieser Hochschultag. Er findet in diesem Jahr zum ersten Mal statt direkt vor der Eröffnung des 23. Filmfest Schleswig Holstein. Hier haben Studierende, Studieninteressierte und die Filmbranche Zeit sich zu vernetzen. Eine Möglichkeit, die viele nutzten und die auch bei der offiziellen Festival-Eröffnung am Abend nachklingt.

Bericht und Bilder von Anna Lena Möller

Fachhochschule Flensburg: Werbe- und Animationsfilme

Den Auftakt bildet die Hochschule Flensburg mit einem bunten Potpourri aus Animations- und Werbefilmen. Teilweise schon prämiert auf anderen deutschen Festivals wie dem 99Fires oder dem Short Tiger Award. Moderiert wird das Programm durch Studiengangsleiter Prof. Jim Lacy, selbst professioneller Filmemacher und Experte für Stop-Motion-Filme, der viele der Projekte betreut hat. Gemeinsam mit seinen Studierenden berichtet Lacy über die Zukunft des Studiengangs, wie die Einrichtung eines Fernsehstudios oder Anschaffung einer High Speed Kamera für die Produktfotografie.

CAU Kiel: Medienwissenschaften mal praktisch

Das zweite Programm wird vom Studiengang Medienwissenschaften an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel gestaltet. Gezeigt wird ein Filmprojekt aus jedem Projektseminar der letzten drei Jahre. Zusätzlich rahmen Dr. Eckhard Pabst und Dr. Willem Strank das Ganze mit zwei kurzen Vorträgen zur Bildperspektive und zur Filmakustik und bieten so einen Einblick in die Arbeitsweisen der Medienwissenschaften.

Muthesius Kunsthochschule: Entführung in die Welt des Experimentellen

Im dritten Programm präsentieren die Studierenden der Freien Klasse Film in einem Rausch aus Farben, Formen und Klängen Experimentalfilme und Essayarbeiten aus den letzten Jahren, die alle ins Rennen um den „Nichtsilbernen Hering“ gehen, den Filmpreis der Muthesius Kunsthochschule. Einen ausführlichen Bericht über das Studium „Film Based Media“ könnt ihr der nächsten Ausgabe des Kulturmagazin Schleswig-Holstein lesen.

Fachhochschule Kiel: Kurz, Dokumentarisch, Corporate

Den Abschluss bildet das vollbesetzte Programm der Fachhochschule Kiel, das in diesem Jahr die Nominierten für den neu ins Leben gerufenen „Peter K. Hertling Filmpreis“ auf der Leinwand zeigt. Das Programm ist in drei Kategorien unterteilt, das die Schwerpunkte des Studiums Multimedia Production (AV) darstellt: Corporate Video, Dokumentarfilm und Kurzfilm/Fiktion. Im anschließenden Gespräch mit ihrem Studiengangsleiter Prof. Tobias Hochscherf berichten die Studierenden aus der Praxis der Filmproduktion.

Zwischen den Programmen gab es die Möglichkeit, in der von Filmkultur Schleswig-Holstein organisierten und aufgebauten Filmkultur Lounge ins Gespräch kommen, was den vollen Sofas nach gut genutzt wurde.

Workshop Pressearbeit: Mit Kaffee-Flatrate in geselliger Runde

Am 10.3.19 hat unser Autor Dorian den Workshop „Pressearbeit und PR für Film- und Medienprojekte“ besucht. Als ehemaliger Kulturredakteur und Filmemacher kennt Kursleiter Sven Bohde sein Metier und teilt es gern mit den Filmschaffenden. Der Workshop wurde vom Verein Filmkultur Schleswig-Holstein e.V. organisiert. 

Bericht: Dorian Bøyesen

Der Workshop hatte das Ziel, Besonderheiten von Medienprojekten herauszukristallisieren, auf die bei einer Einreichung oder der Pressearbeit hingewiesen werden kann. Die Teilnehmer sollten ein Gespür dafür bekommen, wie sie am geschicktesten über ihre Werke schreiben, um Aufmerksamkeit zu erreichen – mit Rücksicht auf die sogenannten W-Fragen (Wer?, Was?, Wann?, Wo?, Wie?) und durch einfache Wörter in kurzen Sätzen zum Beispiel. Nach einer Kennenlernrunde ging es zunächst um Nachrichtenfaktoren. Danach schrieben die Teilnehmer Kurzbeschreibungen über ihre Projekte.

Es wurde die Wichtigkeit von Lokalität, Prominenz betont sowie Grundlagen im Netzwerken. Danach wurden Pressemitteilungen  des eigenen Films geschrieben, die dann durch Sven Bohde an die Leinwand gebeamt wurden, kommentiert, editiert und in der Gruppe diskutiert.

Über die Festivalsuche und wie man den Film anmeldet wurden wertvolle Tipps gegeben, und ich hatte durchgängig das Gefühl, dass Sven sich sehr gut auskennt.

Ob German-Films.de, Biennale-Einreichung, Filmfreeway, Realport, Interfilm Berlin oder Augohr.de, die z.B. „Die Badewanne“ herausbrachte, konnten die Teilnehmer*innen sehr viel lernen, insbesondere was zu beachten ist bei jeweiligen Festival-Einreichungen.

Bei der Pressemitteilung lernten wir, dass die Betreffzeile perfekt sein muss, und z. B. eigentlich mit einer Leerstelle geschrieben wird, logisch, macht bloß keiner.

Das Background-Know-How war deutlich zu spüren, wenn also ein*e Kulturredakteur*in oder Journalist*in 100 Mails am Tag bekommt, muss die Betreffzeile, Titel, Untertitel eben die  Aufmerksamkeit fangen können. „Die Kunst ist es, den Journalisten zu zeigen, dass sie eine Exklusiv-Story bekommen“ [Sven Bohde].

(Wichtig ist zudem der Presseverteiler, Kontakte, soziale Medien, lokaler, regionaler, bundesweiter Journalismus, und ein Blick in die allgemeinen Verteiler lohnt sich auch, z. B. Medienverzeichnis der IHK.

Schlussendlich geben Anlässe eine gute Gelegenheit seinen Film zu promoten, seien es Jubiläen, Auszeichnungen, Premieren, Anlässe mit regionalem Bezug. Für eine Festival-Tour gibt es verschiedene Fördermöglichkeiten, Deutsche Botschaften, Goethe Institut, Präsentationsförderung.)

Mehr Infos zu Sven Bohde finden Sie hier: https://bohde-medien.de/

Bild: Sascha Witt

Filmberufe im Gespräch – Nina Kötter über ihre Arbeit als Script Continuity

script

Mehrmals im Jahr stellen die Industrie- und Handelskammer zusammen mit der Filmförderung Schleswig-Holstein Filmberufe vor, die das Publikum nicht auf dem (Bild)- Schirm sehen kann, die jedoch ein wichtiges Standbein in jeder Film – und Fernsehproduktion sind. Am 6.12.2018 erzählte uns Nina Kötter in der IHK alles über ihren Beruf als „Script Continuity“, wie viel Arbeit dahintersteckt, aber auch wie viel Spaß diese Arbeit machen kann. Aber was ist das überhaupt?

Bericht von Merle Dölle

(K)ein typischer Beruf?

Regisseur*in, Schauspieler*in und Kamerafrau/mann. Das sind die Berufe, die uns zuerst in den Sinn kommen, wenn wir an die Filmbranche denken. Vom Beruf „Script-Continuity“ haben jedoch die wenigsten schon einmal etwas gehört. Dabei ist das eine der wichtigsten Aufgaben am Set.

Dokumentation, Koordination, Ansprechpartner*in und eine gute Kenntnisse vom Drehbuch: Wer Script-Continuity macht, arbeitet eng mit der ganzen Crew am Set zusammen. Hierbei wird auf jedes kleinste Detail geachtet. Wobei einem die voranschreitende Digitalisierung die Arbeit deutlich erleichtert.

Zum Aufgabenfeld eine*r*s Script-Continuity gehört auch das Dokumentieren am Set. Jeder Take bekommt einen eigenen Bericht. So kommt man am Tag auf ungefähr 20-30 Berichte, die genau erfassen, wann welche Szene gedreht wurde und wo bzw. wie die Kameraeinstellungen waren,  sowie eine ausführliche Beschreibung der Szene. Zudem ist man Ansprechpartner*in für Requisite, Maske, Kostüm, Ton und Regie, also im Grunde für fast jede*n am Set.       

Das Drehbuch als wichtigster Begleiter

Dies ist tatsächlich der älteste Frauenberuf am Set. Ausgeübt wurde er damals noch unter der Bezeichnung „Atelier-Sekretärinnen“. Später würde das Tätigkeitsfeld einfach „Script“ genannt und heute eben Script Continuity oder auch Script-Supervisor. Wobei es hier doch einen kleinen aber feinen Unterschied gibt: Als Script-Supervisor zählt man zusätzlich noch die beratende Funktion für Regie und Kamera zu seinen Aufgaben.

Dies alles erklärt uns Nina Kötter, die seit 25 Jahren in dem Beruf arbeitet, während wir eines ihrer Drehbücher, das ihr wichtigster Begleiter in diesem Job ist, in den Händen halten dürfen. Es ist so dick wie ein Lexikon und  übersät mit kaum leserlichen Notizen und bunten Haftstreifen. Für Laien fast unmöglich, hier den Überblick zu bewahren.

Man muss ins kalte Wasser springen

Doch wie wird man eigentlich Script-Continuity? Eine konkrete Ausbildung oder ein Studium hierzu gibt es nicht. Stattdessen kann man Fortbildungskurse besuchen oder Volontariate bei erfahrenen Continuities oder praktische Übungen bei Filmprojekten von Filmhochschulen absolvieren.  Allgemein gilt: Je mehr Set-Erfahrung, desto besser. Man muss nur ins kalte Wasser springen. Jede*r kann also Script-Continuity werden, wenn er/sie filmtechnische Grundkenntnisse, Set-Erfahrung und optisches Verständnis mitbringt. Zudem sind auch noch Konzentrationsfähigkeit, Selbstorganisation, Flexibilität und Teamfähigkeit wichtige Grundpfeiler.

Script- Continuities werden nur für die Länge der Produktionsdauer angestellt. An rund 5 Produktionen wirkt Nina Kötter pro Jahr mit.              Manchmal bekommt sie das Drehbuch erst ein paar Tage vor Drehbeginn zugeschickt, bei Kinofilmproduktionen kann dies bis zu einem Jahr vorher geschehen. Generell gibt es große Unterschiede zwischen Serien, Fernsehspielen und Kinofilmen. Nicht nur in der Vorbereitungszeit sondern auch in der Anzahl der Drehtage. Durchschnittlich 21 Drehtage sind pro Film vorgesehen, dabei sind Arbeitszeiten zwischen 12-18 Stunden keine Seltenheit und das in ganz Deutschland. „Man ist ständig mit gepackten Koffern unterwegs“ , so Kötter.

Ein Beruf, in dem es keinen Rhythmus gibt

Was sie an ihrem Beruf liebt? „Es ist vielfältig und man beschäftigt sich inhaltlich viel mit dem Drehbuch und den Schauspielern. Man hat einfach täglich mit unterschiedlichen Menschen zu tun und es herrscht ein großer Zusammenhalt am Set, wie in einer Familie. Aber vor Allem macht es Spaß“, betont Nina, die aufgrund ihrer Liebe zum Schauspiel an dieses Berufsfeld geraten ist. Jedoch sagt sie auch, dass durch die enorme Vielfältigkeit der Aufgabenbereiche mehr Druck entsteht. Es gilt, die ganze Zeit mit voller Konzentration dabei zu sein in einem Beruf, in dem es keinen Rhythmus gibt. Jede Produktion, jeder Drehtag ist anders. Auch den Respekt am Set muss man sich erst hart erarbeiten. Hier herrscht eine „Hierarchie mit Freundlichkeit.“ Man muss Geduld haben. „Umso entspannter, desto besser“, rät Kötter. Und nicht alles persönlich nehmen. Aber vor Allem nicht aufgeben!

Bild: 
Photo by Avel Chuklanov on Unsplash

Kieler Woche der Kinos – Wie steht es um das Kinoland Schleswig-Holstein?

Traumkino Kiel

Hat das Kino eine Zukunft und welche Rolle spielt das Kino in der Kulturpolitik in Schleswig-Holstein? Diese Fragen diskutierten Ende Oktober Filmliebhaber*innen, Verleiher und Filmemacher*innen im Rahmen der „Woche der Kieler Kinos”, die in diesem Jahr zum zweiten Mal stattfand.

Ein Land voller Kinos – noch?

Den Auftakt der Veranstaltung bildete der Dokumentarfilm 66 Kinos von Philipp Hartmann, der mit einem eigenen Film durch deutsche Kinos getourt war und die Kinobesitzer – vor allem kleine Programmkinos und kommunale Kinos – nach ihrer Situation befragt hat.

Ist es heute schon verrückt ein Kino zu eröffnen? „Ja ist es”, erzählt eine Kinogründerin zum Schluss des Films, aber es ist wichtig das zu tun. Ein anderer Kinobesitzer pflichtet ihr bei, denn das Kino sei „der Retter des Films”. Ohne das Kino könnten Filme nicht gesehen werden. Natürlich stimmt das nicht ganz, denn es gibt heute viele andere Wege einen Film zu zeigen. Doch die Atmosphäre, die ein Kino erreicht, und die sozialen Aspekte des Kinobesuchs werden Heimkino und Internet niemals ersetzen.

Reicht das aus, um das Kino in seiner Form zu erhalten?

Was ist Kino heute

Wie viele Aspekte das Kino von heute hat, zeigt die anschließende Diskussion, die auch nach zweieinhalb Stunden noch nicht abschließend beendet war. Auf das Podium – oder eher gesagt vor die Leinwand – hatte Andreas Steffens (Programmchef des Traumkinos) den Verleiher Eduard Barnsteiner, die Filmemacherin und Filmpolitikerin Jessica Dahlke sowie Filme- und Festivalmacher Gerald Grote geladen.

Wer das Kino beschreiben will, der muss auch die Rolle des Films in unserer Gesellschaft beschreiben. Relativ schnell wird unter den Teilnehmer*innen klar, dass der Film es als Kulturgut noch immer schwer hat. Woran kann das liegen? Daran, dass so etwas Kostenintensives wie der Film ihn schnell zum Hybriden zwischen Kultur und Wirtschaft macht? Oder weil beim Wort Kultur immer zuerst Theater, klassische Musik und bildende Kunst gemeint ist? Vielleicht ist es auch die Effekthascherei Hollywoods, die dem Film den Ruf einer Jahrmarktsattraktion einbringt, merkt Eduard Barnsteiner an. Ähnliche Probleme haben auch Videospiele, die vor allem hier im Norden einen sehr schweren Stand haben, wenn es um Förderung geht, ergänzt Jessica Dahlke.

Fakt ist, der Film ist das Kulturgut, das von der breitesten Masse von Menschen aller Schichten rezipiert wird. Ihn also kulturpolitisch zu ignorieren, wäre mehr als nur fahrlässig.

Zurück aber zum Ort des Kinos. Hier unterscheiden sich die großen Cineplexe von den Programmkinos sowie Kommunalen Kinos. „Die Cineplexe richten sich vor allem an ein Publikum bis 25 Jahre”, so Barnsteiner. Für die Kulturförderung viel wesentlicher sind die kleineren Kinos, die nicht nur Filme außerhalb der Blockbuster zeigen, sondern auch einen wesentlichen Anteil an der Kultur im ländlichen Raum, wie das Savoy in Bordesholm zeigt.

Für die Städte gilt ähnliches. „Als vor ein paar Jahren das Studio Filmtheater in Kiel aufgemacht hat, haben alle gesagt, das wird nichts. Jetzt haben wir sogar wieder mehrere Kinos hier in Kiel”, erklärt Helmut Schulzeck, einer der wichtigsten Experten, wenn es um die Kieler Kinogeschichte geht. Er hat 1994 den Film Regina Blues – Der Kampf um ein Kino produziert. Das Kino in Kiel ist also nicht tot, aber es hat sich verändert. Es findet eine enge Zusammenarbeit mit der Filmszene und den Hochschulen statt und die Kinosäle dienen inzwischen auch als Raum für Lesungen, Theater und Kabarett. Events wie die Vorführung von Kieler Kultfilmen oder die Sneakpreviewen machen den Erfolg der kleineren Kinos aus. Sie sind eng verwoben mit der Stadtgesellschaft und den Studierenden der Unistadt Kiel.

Jedoch, um so kunstvoller ein Film wird, umso schwieriger ist es die Sitzreihen voll zu bekommen. Also akzeptieren, dass nur die leichte Kost funktioniert und das sogenannte Arthouse-Kino sterben lassen? Spräche man so über das Theater oder den Konzertsaal, es würde einen Aufschrei geben.

Volle Kinosäle – Wie geht das?

Eine Regel in der Wirtschaft gilt auch für den Filmverleih. Wer keine Werbung macht verkauft auch nichts. Das Marketing-Budget eines Films muss in der Regel genauso hoch sein wie das Produktion-Budget. Bei deutschen Filmen ein großes Problem, denn die Vermarktung wird bei vielen Förderungen nicht hoch genug angesetzt.

Ein zweites Problem sind die Verträge, die die internationalen Verleiher mit den Kinos schließen. Hier werden Kinobesitzer verpflichtet, ihre großen Leinwände für einen bestimmten Zeitraum mit ein und demselben Film zu bespielen. Es kommt sogar vor, dass damit eine vertragliche Verpflichtung einhergeht, einen Film in Zukunft zu zeigen, der noch gar nicht gedreht ist. Wer sich dem verweigert, ist nicht konkurrenzfähig. Egal ob die Filme für die Kinos rentabel sind oder nicht.

„Wir haben nicht das Problem, dass wir zu wenig Leinwände haben”, sagt Eduard Barnsteiner, „sondern das zu viele Leinwände besetzt werden durch diese Verträge. Selbst wenn der Kinosaal nur von wenigen Zuschauern besucht ist, muss der Film laufen.” Das führt auch dazu, dass Filme von kleinen Produzenten nicht ins Kino kommen können.

Die Werbeetats, die große Verleiher in Blockbuster investieren, können sich kleine Kinos und kleine Produktionen nicht leisten. Die Zuschauer jedoch, gerade die jüngeren, werden jeden Tag von dieser Werbung im Internet, Zeitschriften und auf anderen Kanälen regelrecht bombardiert, erklärt Jessica Dahlke, „man erhält ständig Display-Werbung auf Webseiten und sieht Teaser auf Facebook und denkt sich irgendwann, ja gut, der Film könnte ganz gut sein.” Der Newsletter eines Kommunalen Kinos kommt bei dieser Konkurrenz nur bei denen zum Zuge, die sowieso schon Kunde sind. Für Maßnahmen darüber hinaus ist meist weder Geld noch Personal vorhanden. „Man könnte schon sagen, dass wir eine junge Generation der unkritischen Konsumenten sind”, ergänzt Johann Schulz vom Landesverband Jugend und Film.

Aber wie informieren sich die 20- bis 40-jährigen über neue Filme? „Meistens erzählt jemand auf Facebook, dass der Film gut ist und dann bekommt das so eine Eigendynamik”, erzählt er weiter. Wer die Jüngeren also zurück ins Kino holen will, muss ordentlich Marketing machen?

Das ist nicht alles. Eduard Barnsteiner fügt hinzu, dass es wichtig wäre, das Publikum da abzuholen, wo es ist. Er nennt das Beispiel der Sneak-Preview im Schauburg Filmtheater in Rendsburg, die genau deswegen so gut bei den Jüngeren ankommt, weil der Besitzer den Abend mit Witz und Charme moderiert. Ähnlich halten es auch die Inhaber des Studio Filmtheaters, die vor jeder Sneak etwas verlosen und den Abend persönlich moderieren. Man muss den Kinobesuch zu einem Happening machen, so Barnsteiner.

Holt die Schule die jungen Zuschauer*innen zurück ins Kino?

Für Gerald Grote ist die Schule der richtige Ort, um den Kinogänger von Morgen die Vorzüge des Kinos näher zu bringen. „Filmbildung ist ein Teil der Kultur. Die Kinder in der Schule sollten da herangeführt werden wie an Literatur, Theater und Kunst.” Auch Jessica Dahlke bestätigt, “viele junge Menschen kennen Filme nur als Blockbuster, in dem es ordentlich knallt und farbenprächtige Computereffekte zu sehen sind. Ich würde mir wünschen, dass Jugendlichen und Kindern auch wieder komplexere Filme gezeigt werden. Es muss ja nicht gleich Godard sein.” Das darf aber nicht zum Zwang werden, denn alles, wozu man gezwungen wird, ist „uncool”, widerspricht Johann Schulz.

Im Gegenteil muss man eher was für die Eltern tun, sagt Eduard Barnsteiner. „Erwachsene verbinden viele gute Erinnerung mit den Kinobesuchen, die sie als Kind mit ihrer Familie gemacht haben. Der Schlüssel sind also nicht unbedingt die Schulen, sondern die Eltern.” An dieser Bemerkung ist viel dran, auch wenn sie nicht die Filmbildung in der Schule ersetzt, die ebenfalls wichtig ist, um Schüler*innen Medienkompetenzen zu vermitteln. Doch für die Bindung an den Ort Kino können Eltern und Großeltern viel mehr bewirken als ein Kinobesuch nach Lehrplan.

Kinoförderung im Land Schleswig-Holstein

Mit der „Kieler Woche der Kinos” haben die Kieler Kinos metroKino im Schlosshof, Kino in der Pumpe, Studio Filmtheater am Dreiecksplatz, Traumkino, das Cinemaxx Kiel und der Hansafilmpalast gezeigt, dass die Kinolandschaft in der Landeshauptstadt lebt und ein wichtiger Teil der Stadtgesellschaft ist. Kieler Kultfilme wie „Werner Beinhart”, aber auch Dokumentationen wie „Schnee von Gestern” (Grote/Oppermann) über die Schneekatastrophe von 1978 fanden ein breites Publikum. Die Kinos haben damit bewiesen (und viele Kinos im Land tun es ihnen gleich), dass sie ihren Kulturauftrag erfüllen. Nur tut das Land genug für seine Kinos?

Die Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein und das Land tun bereits einiges für die Kinos. Unter anderem gibt es den Kinopreis, der mit einer Gesamtsumme von 40.000 Euro dotiert ist. Das führt zu einer größeren Aufmerksamkeit für das prämierte Kino.

Jedoch – große Sprünge lassen sich damit nicht machen. Hinzu kommt eine weitere Herausforderung, die Digitalisierung. Ohne die neueste digitale Ausstattung können Filme heute nicht mehr gezeigt werden. Die erste Welle dieser Digitalisierung haben nicht alle Kinos im Land überstanden. Trauriges Beispiel ist das Kino in Eckernförde, das komplett aufgeben wurde, nachdem die Besitzer in Rente gegangen sind. Bis heute kämpft die Ratsversammlung in Eckernförde um ein neues Kino. Was weg ist, ist also vielleicht für immer weg.

Europa und sein Film

Um den kulturellen Film sowie die kleinen Kinos in der Stadt und im ländlichen Raum erhalten zu können, muss genau hingeschaut werden. Was können diese Kinos allein leisten und wo sollte durch gezielte Förderprogramme unterstützt werden, wie sie zum Beispiel in Bayern schon existieren. Dazu braucht es beim Land Experten, die diesen Transformationsprozess begleiten können. Denn die technologische sowie wirtschaftliche Entwicklung ist noch lange nicht am Ende und auch die gesellschaftliche Einordnung des Films ist eine wichtige kulturpolitische Aufgabe. Dieses Feld vorwiegend den Amerikanern und bald Chinesen zu überlassen, ist kurzsichtig. Ziel sollte es sein, einen Ort zu schaffen, mit dem sich auch Jüngere identifizieren können und so sowohl das Kino als auch den europäische Film wieder attraktiver zu machen. Denn tun wir das nicht, so bleiben uns durch Blockbuster, Netflix und Amazon nur noch Werke, in denen nichteuropäische Weltbilder transportiert werden. Für eine Wertegemeinschaft wie Europa, die in der jetzigen Zeit mehr als zuvor auch einen identitätsstiftenden gemeinsamen Wertekanon braucht, wäre diese Entfremdung eine Katastrophe.

Ein Bericht von Dorian Boyesen – Autor bei filmszene-sh.de

Mit Bildern und Ergänzungen von Jessica Dahlke – Redaktion filmszene-sh.de


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