Das verkopfteste Filmfestival Kiels überrascht mit Genre

Am Donnerstag (11.09.2014) traf sich die Kieler Filmszene in der Szene-Disco Luna, um die „verkopftesten“ Filme der Stadt anzusehen. Doch die Veranstalter überraschen positiv mit einer guten Mischung und sogar Genre wie Horror, SciFi und Musical bekamen ihre Chance. Filmszene-sh.de stellt alle gesehenen Filme in einer Kurzrezension vor.

Sprachlos (Conrad Pfüller)

Ach ja, die Stummfilmzeit. Ach ja, dieses wunderbare Overacting. Machen wir doch einen Film draus. Und zwar einen ziemlichen witzigen, der vor allem von seinem Hauptdarsteller lebt. Für einen netten Abend wärmsten zu empfehlen.

Macher von Sprachlos

Traumwäsche (Olya Rada)

Das freudrische Kurzfilmdrama á la Ingmar Bergman hinterlässt einen positiven Eindruck, auch wenn Filmliebhabern und regelmäßige Besucher von Kurzfilmfestival wie ich immer wieder das Gefühl beschleicht, das Ganze schon unendlich mal gesehen zu haben. Es wäre schön endlich ein Festivalabend zu erleben, wo nicht jeder zweite Film irgendwas mit dem menschlichen, gruseligen Innenleben zu tun hat. Trotzdem, die Jury urteilte: Bester Film und Bester Schnitt

Filmemacherin Olya Rada

Der Philaterist (Jan-Gerrit Seyler)

Mächtig drollig erobert Hauptdarsteller Armin Dillenberger an diesem Abend die Herzen der Zuschauer. Als Briefmarkensammler mit Sozialphobie macht er die Wandlung des Helden, der gezwungen ist nach draußen zu gehen, auf sympathische Weise fühlbar. Die Jury vergab den 2. Preis und den Preis für die Beste Kamera. Zudem gab’s den Publikumspreis.

1984 (SoulfireHifi , Ronny Trettmann)

Als Knetfigur kommt der Rapper dieses Videos daher, der für den Dreh keine Zeit hatte. Übrigens eine Weltpremiere an diesem Abend.

Macher von 1984

Ebene Minus Eins (Gor Margaryan)

Ein Fahrstuhl, eine Videokamera, ein Experimentalfilm. Für das Genre, das nicht für jedermann ist, faszinierend anzusehen. Die Jury urteilte: Bestes Sound Design

Schmidts Katze (Felix Knoche)

Die besten Geschichten über die Deutschen erzählt man am besten – richtig – in einem Schrebergarten. Leider lässt sich der Mörder zu schnell erahnen. Schade. Trotzdem schaurig-schön.

ZDF Champions-League-Spot (Sven Sindt)

Zu hart für das ZDF, aber würdig genug für das Luna-Publikum, dachten sich die Veranstalter und nahmen diesen Spot mit ins Programm. Warum auch immer.

Filmemacher Sven Sindt

Von Sinnen (Ingo Rotkowsky & Co)

Ganz von Sinnen kommt Christian Kock in diesem Kurzfilm daher. Der während des 48-Stunden-Wettbewerbs im Mai entstandenen Beitrag funktioniert auch außerhalb diesen Rahmens.

Sarang Aria – Regisseur bei „Von Sinnen“

Piete

Der Zeichentrickfilm ist niedlich. Das finden zumindest alle Zuschauerinnen, die jedes Mal, wenn Piete mit seinen großen Kuhleraugen zwinkert, in ein kollektives „Oooh“ verfallen. Die Jury empfand wohl ähnlich und vergab für die animierten Vogelköpfe den Preis für den „Verkopftesten“ Film.

Feuer, Wasser, Erde, Luft und Zeit (Maria Reinhardt)

In die Trickkiste filmischer Natur greift dieser Film. Zusammen mit einer wunderschönen Kulisse und einer gut erzählten Handlung immer wieder sehenswert. Die Jury urteilte: Bestes Timing.

Hauptdarsteller Falk Szyba von „Feuer, Wasser, Erde, Luft und Zeit „

Aground: Terra 9629 (Kaweh Kordouni)

„Dieser Film funktioniert sogar, wenn das Bild ruckelt“, erklärte Moderator Felix. Die Dystopie entstand während des Nur-48-Stunden-Wettbewerbs im Anscharpark in Kiel-Wik.

Recordation (Sven-Friedrich Wiese)

Trash? Experimentalfilm? Das Spiel mit den Erwartungen? Ein interessanter Beitrag.

Filmemacher Sven-Friedrich Wiese

Opakustisch (Bernd Fiedler)

Mit Bildmaterial aus dem Archiv bastelt Bernd Fiedler eine schaurige Collage über Erinnerungskultur.

Filmemacher Bernd Fiedler

Mopping (Torben Sachert)

Natürlich darf bei einem solch verkopften Festival der lustige Abgang nicht fehlen, den Torben Sachert mit seiner in 48-Stunden gedrehten Musical-Nummer schafft. Ein Comedy-Stück á la Saturday Night Life Digital Shorts, das uns wohl noch einige Monate bei Kieler Kurzfilmabenden begegnen wird. Auf das uns der Film irgendwann aus Augen und Ohren blutet. Die Jury vergab den Preis für den Verfußtester Film (Choreografie in einem Musical).

Filmemacher Torben Sachert

Außer Konkurrenz liefen zudem Eis von Jessica Dahlke (Autorin dieses Artikels) und Cowboy und Indianer von Jan-Gerrit Seyler.

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Fotos und Bericht: Jessica Dahlke

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