Vernissage „Dysfunctional Dialog“

Schleckermarkt Vineta-Platz Gaarden. Diesen ungewöhnlichen Ort wählten die Studenten der Freien Klasse Film der Muthesius Kunsthochschule für ihren dysfunktionalen Dialog mit der Welt.

Schlecker: Sinnbild für die Kapitulation vor dem mächtig gewordenen Weltmarkt, der für die Verkäuferin – Schleckerfrau – nichts mehr als einen warmen Handschlag übrig hatte. Und der Vineta-Platz in Kiel Gaarden. Symbol für die Gestrandeten, die in einer kapitalistischen Leistungsgesellschaft keinen Platz haben. Dysfunktional eben: Sinnentleerter, unzweckmässiger und unpraktischer Dialog mit einer Welt, die sich selbst entfremdet hat. Der perfekte Ort für eine Videokunst-Ausstellung.

 

 

Kommt der Besucher in den Raum, so findet er fünf Leinwände (in der Fachsprache Medien genannt) vor, auf denen in unregelmäßigen Abständen kurze Filme erscheinen. Töne und dysharmonische Musik wechseln einander ab. Das Klicken einer Computermaus folgt dem Gemurmel eines Mannes, dessen Worte unverständlich und damit bedeutungsleer bleiben. „Es ist das Spiel mit den Kombinationen“, erklärt Professor Stephan Sachs, selbst Filmemacher mit dem Schwerpunkt Experimentalfilm und essayistischer Dokumentarfilm. Seine zwölf Studenten haben ihre Filme für die Ausstellung zur Verfügung gestellt. Darunter Abstraktes, Experimentelles, Dokumentarisches aber auch Erzählerisches. „Die Filme erscheinen auf den Medien in immer neuen Kombinationen und setzen sich so zu Geschichten zusammen.“

 

 

Für den Zuschauer eine inspirierende und zugleich verstörende Reise. Die Ausstellung lädt zum Verweilen ein. Da sitzt man nun auf dem nackten Betonboden, auf dem sich jahrelang Schleckerkunden durch die engen Regale gedrängt haben. Da begegnet man dem Vineta-Alki, den die Neugier in den Kunstraum getrieben hat und der bewegungslos vor einem der Leinwände steht, als wäre er selbst eines der Kunstobjekte, die gezeigt werden. Man fragt sich: Was denkt er? Und was will die Kunst? Und welchen Beitrag trägt das junge Medium Film bei, das die Realität abbildet und doch ganz neue Wahrnehmungswelten schafft?

 

 

Wer ein bisschen Zeit mitbringt und sich ähnliche Fragen stellen will, der ist vom 20. Juni bis 03. Juli 2014 herzlich eingeladen, die Räumlichkeiten im alten Schleckermarkt (Elisabethstr. 68, Kiel) zu besuchen.

Mehr Informationen gibt es hier.

Bericht und Bilder: Jessica Dahlke

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