Screen Talent Europe – Färöer Shorts

Screen Talent Europe ist ein Netzwerk aus Film-Werkstätten und Medienzentren aus Dänemark, Schweden, Norwegen, den Färöer Inseln, Deutschland, Irland, Nordirland und Frankreich. Ziel des Netzwerkes ist es, Koproduktionen zwischen den Partnern zu fördern und den Filmemachern zu helfen, ihr Wissen zu erweitern und Erfahrungen während der Talentcamps, Netzwerktreffen und Koproduktionen zu sammeln.

Das letzte Talentcamp fand im Juni 2015 auf den Färöer-Inseln statt. Unter den Teilnehmern befanden sich auch die Kieler Caro Palm und David Brych. Die daraus entstandenen Kurzfilmen waren im März auf dem Filmfest Schleswig Holstein zu sehen. Bei Interesse können sich Bewerber in der Filmwerkstatt Kiel melden.

 

Interview mit Caro Palm und David Brych auf dem Filmfest

Arne Sommer: Wie ist es möglich gewesen, in relativ kurzer Zeit Themen zu finden und darüber Filme zu machen? Ihr habt euch dort ja erst alle kennengelernt.

Caro Palm: Wir hatten zuerst Workshops, wo er darum ging herauszufinden, warum wir eigentlich Filme machen. Unsere Themen haben wir gefunden, indem wir ins Pub gegangen sind und mit den Einheimischen geredet haben. Sebastian hat mit THE TOURIST sehr gut aufgegriffen, was die Leute da so bewegt. Der Tourismus, die Schafzucht, Transgender, Musik. Also eigentlich hat er alles in seinen Film gepackt, was wir dann in jeweils einen Film thematisiert haben. Nach den Workshops gab es dann Pitches. Die Regisseure haben drei Filme vorgeschlagen und sich während eines solchen Pitches ihren Produzenten gesucht.

Arne: Vielleicht erzählst du einmal, wie ihr zusammen gelebt habt.

David: Wir waren in einer verlassenen Schule, die wegen der Ferien zu war. Wir haben da quasi in den Klassenzimmern auf Luftmatratzen geschlafen, wie in einer großen WG. Das war schon sehr lustig, wie auf einer Klassenfahrt.

Zuschauer: Wie lange hattet ihr Zeit, die Filme zu drehen?

Caro: Wir hatten eine Woche um anzukommen und uns kennen zu lernen. Da waren auch diese Workshops. Nachdem wir herausgefunden hatten, was die Einheimischen so bewegt, hatten wir eigentlich nicht wirklich viel Zeit ein Thema zu finden. Innerhalb von zehn Tagen wurden die Filme gedreht. Als die Editoren nach zweieinhalb Wochen dazu kamen, wurde sofort angefangen zu schneiden. Die Postproduktion hat dann im jeweiligen Land stattgefunden. Wir haben die Filme nicht komplett auf den Färoern fertig gestellt.

David: Die Teilnehmer waren zwischen 18 und 32 und hatten ganz unterschiedliche Erfahrungen mit Film. Die 18jährigen kamen gerade von der Schule und andere hatten schon beruflich mit Film gearbeitet. Dadurch gab es einen ganz unterschiedlichen Erfahrungsschatz. Die Filme wurden im Zweimann-Team gedreht. Der Regisseur hat Regie geführt und Kamera gemacht und der Produzent hat alles andere gemacht: Ton, Auto fahren und die Technik besorgen. Es war relativ wenig Technik dort. Einige hatten Kameras dabei, aber es gab auch einen Technikverleih auf der Insel, der uns unterstützt hat. Aber da die dort nicht so eine große Filmindustrie haben, waren die natürlich auch nicht so gut ausgestattet.

Caro: Es gab offiziell drei Tonangeln, aber nur einen Windschutz, eine Hardcover- und eine Teleskopstange. Also zusammengenommen eigentlich nur eine. Außerdem hatten wir einen unglaublichen Kamerawechsel.

David: Für die sechs Teams gab es nur drei Autos. Das waren alles ziemlich alte, kaputte Autos. Und man dachte, hoffentlich springt der Wagen an und wenn man dann auf der anderen Seite der Insel war, hoffentlich kommt man wieder zurück.

Arne: Aber auf gewisse Art und Weise hat das gezeigt, dass ihr mit jedem Equipment hervorragende Filme machen könnt und das es nicht darum geht, welche Kamera ihr habt, sondern was ihr mitbringt. Filme, die so unterschiedlich sind, die gleichzeitig alle auf der gleichen Insel gedreht hat, die aber trotzdem die Persönlichkeit jedes einzelnen Filmemachers zeigen. Gibt es Fragen aus dem Publikum?

Zuschauer: Wie habt ihr eure Protagonisten gefunden?

Caro: Das war Zufall. Johan wurde uns als der junge Farmer verkauft, der ganz innovativ ist und sich mit Medien auskennt, weil das lokale Fernsehen natürlich öfter bei ihm ist. Er ist halt jung und dynamisch. Außerdem kann er ohne Punkt und Komma quasseln.

Zuschauer: Wie habt ihr das mit der Sprache gemacht.

Caro: Wir hatten drei Färöerer im Team. Johan und ich haben uns auf Englisch geeignet, obwohl alle Färöerer auch Dänisch sprechen und meine Produzentin Dänin ist.

Arne: Wenn keine Fragen mehr aus dem Publikum sind, dann bedanke ich mich, dass ihr hier wart.

 

Die Filme im Überblick

Boys (Sunniva Sundby)

Der Kurzfilm BOYS von Sunniva Sundby begleitet Färöerer Jugendliche einen Tag lang. Moped tunen, rumhängen und auf dem Friedhof arbeiten, wo die Jungs dann auch ein bisschen philosophisch werden.

Driving to Thule (Tommy Flavin)

Wie beschäftigt man sich als junger Mensch auf einer kleinen Insel wie Färöer? Diese Frage stellte sich auch Tommy Flavin und ließ seinen Protagonisten nachts aus lauter Langeweile über die Insel fahren. Allein mit sich in einer Blechkiste macht nachdenklich.

Inside Out (DK, Kristopher Paterson)

Dem Thema Metamorphose widmet sich Kristopher Paterson in seinem Kurzfilm INSIDE OUT. Eine junge Frau stellt ein Kostüm her. Tut sie es, weil es ihr Beruf ist oder hat sie etwas ganz anderes vor? Spannende Kurzdoku über eine Verwandlung.

Sofia (Viana Mikkelsen)

Mit diesem Portrait gibt Viana Mikkelsen Einblicke in das Leben der Transsexuellen auf Färöer. Vorurteile und Probleme unterscheiden sich kaum von denen auf dem Kontinent. Das Interview vor der Kamera, die sich ganz dicht an Sofias Gesicht geht, macht diese Doku zu einem intimen Tagebuch. Spannend.

The Tourist (Sebastian Cordes)

Poetische Dokumentation über das Verhalten von Touristen. Wir folgen einem Besucher der Faröer Inseln bei seiner Wanderung durch die pitoreske Landschaft.

Jóhan (Caro Palm)

Dokumentation über einen Changemaker. Eigentlich kann man von der Schafzucht auf den Färöer Inseln längst nicht mehr leben, aber Schaf-Farmer Jóhan Jógvansson will das ändern, indem er traditionelle mit modernen Techniken der Viehwirtschaft kombiniert.

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