Jan Kluczewitz über seinen Kurzfilm GRÜNES LICHT

Datenschutz, Überwachung, Freiheit. Themen, die heute mehr als denn je zur Disposition gestellt werden. Anlass für Jan Kluczewitz, einen Film darüber zu machen, der auch die Filmwerkstatt Kiel sofort begeisterte. Diese förderte das Projekt mit 5.000 Euro. Wir haben ihm ein paar Fragen gestellt.

Das Interview führte Jessica Dahlke

Du hast gerade deinen Kurzfilm „Grünes Licht“ realisiert. Worum geht es darin?

In dem gesellschaftskritischen SciFi-Film geht es um die Datenpfleger Helga und Gerhard, die als ständig kontrollierte Arbeitssklaven gehalten werden. Deshalb wollen sie dem System entfliehen und sich einer illegalen Untergrundorganisation anschließen – dem Datenschutz.

 

Jan Kluczewitz

 

Warum ist dir das Thema Datenschutz so wichtig? Wie bist du darauf gekommen?

Datenschutz ist eins von vielen Gesellschaftsthemen, die gerade wichtig sind. Damit verbunden sind auch Kontrolle, Macht, Ungleichheit und Freiheit. Wenige Tage bevor ich den Förderantrag abgeschickt habe, schien es so, als wolle der britische Premierminister David Cameron bestimmte Formen von Datenverschlüsselung verbieten und dem Staatsapparat die Möglichkeit geben, jegliche Internetkommunikation zu überwachen (Quelle: i). Es schien mir fast, als versuche da jemand ein System vorzubereiten, in dem mein Film die traurige Realität sein könnte. Gruselig.

 

Jan Kluczewitz

 

Was fasziniert dich am Genre SciFi?

Unser Kurzfilm ist eher klassische SciFi, bei dem es viel darum geht, eine Welt als gedankliches Experimentierfeld zu erschaffen. Das finde ich grundsätzlich interessant, weil es ermöglicht, gleichzeitig unterhaltsam und anspruchsvoll zu erzählen und dabei noch ein relativ beliebtes Genre zu bedienen. Ich habe oft den Eindruck, dass Geschichtenerzählende glauben, sie müssen entweder unterhaltsam oder anspruchsvoll sein. Das nervt mich. Genauso wenig mag ich es, wenn eine Fantasiewelt nur erschaffen wird, um die Zuschauenden einzulullen und aus unserer Realität zu entführen. Mir gefällt es, wenn ich einerseits in eine interessante Welt einsteigen kann und andererseits bedeutungsvolle Themen differenziert behandelt werden.

 

Jan Kluczewitz

 

Dein Film wurde von der Filmwerkstatt Kiel gefördert. Wie bist du da ran gegangen?

Ich wollte einfach mal den Weg mit der Förderung ausprobieren. Deshalb habe ich allgemein über meine Möglichkeiten wie Drehbuchförderung, Kurzfilmförderung oder Langfilmförderung mit den hilfsbereiten Leuten bei der Hamburger Filmförderung gesprochen, die mich auch auf die Filmwerkstatt Kiel hingewiesen haben. Dort hatte ich ein aufgeschlossenes Gespräch mit dem Leiter Arne Sommer, und anschließend habe ich mir überlegt, welches meiner Projekte am besten in das Förderkonzept von Kiel passt. So bin ich dann bei „Grünes Licht“ gelandet. Beim Ausfüllen des Förderantrags habe ich mich bemüht, sehr ehrlich zu sein und nicht zu taktieren, sondern einfach mein Projekt so gut wie möglich vorzustellen und den Teil hervorzuheben, der mich selbst daran überzeugt, sowohl auf der inhaltlichen als auf der gestalterischen und drehkonzeptionellen Ebene.

 

Jan Kluczewitz

 

Die Filmförderung wird in Hinblick auf den deutschen Film im Augenblick sehr kritisiert. Vor allem Genrefilme sollen es schwer haben. Kannst du die Kritik nachvollziehen?

Mit dem Fördersystem und den möglichen Schwierigkeiten speziell von Genrefilmen kenne ich mich nicht gut genug aus, um etwas darüber sagen zu können, ob oder warum es Genrefilme grundsätzlich schwer haben, aber ich weiß, dass es grundsätzlich sehr schwer ist, einen guten Film zu machen, eine gute Geschichte gut zu erzählen. Mein Eindruck ist, dass dieser wesentliche Punkt oft übersehen, verkannt, ignoriert oder geleugnet wird. Ich habe die Vermutung, dass die Förderung tendenziell das Beste von dem abgreift, was ihnen vorgelegt wird. Das halte ich für wahrscheinlicher, als dass die die Schubladen der Autoren mit grandiosen und verkannten Geschichten überquellen. Aber bekanntlich fällt es oft leichter, sich über die andere Seite zu beschweren, anstatt zu gucken, wo bei einem selbst ein Problem liegen könnte. Das Problem ist aber nicht grundsätzlich die Förderung. Das Problem sind zu wenig gute Filme. Inwiefern das zusammenhängt, wage ich nicht zu beurteilen.

 

Jan Kluczewitz

 

Wann wird dein Film Premiere haben?

Das kann ich noch nicht sagen. Der Rohschnitt ist fertig, aber es fehlen unter anderem noch einige VFX und die Geräuscheffekte. Ich mache mich jetzt auf die Suche nach Hilfe in dem Bereich und hoffe, dass das relativ zügig von statten geht.

 

Jan Kluczewitz

 

Wie bist du zum Filmemachen gekommen?

Als ich neun war, habe ich auf der Arbeit von meinen Eltern kurz eine VHS-Kamera in die Finger bekommen und war einfach nur fasziniert von dem Gerät und den Möglichkeiten, die sich dazu in meinem Kopf entwickelt haben. Zu meinem zehnten Geburtstag habe ich dann diese Kamera benutzen dürfen. Ich wusste sofort, dass jemand dieses Wundergerät für mich erfunden hat, habe sie zwei Tage lang nicht mehr aus der Hand gelegt und habe etliche Clips, Filmchen, und sogar Stop-Motion-Experimente und Interviews gefilmt. Alles nur mit den Schnittmöglichkeiten direkt beim Drehen, weil wir selbst keinen Videorekorder hatten. Das war vielleicht das beste Geburtstagsgeschenk meines Lebens. Und seitdem ist Filmemacher mein absoluter Traumberuf. Neben Schriftsteller. Seit ich meinen ersten Satz geschrieben habe, wollte ich Bücher schreiben. Studiert habe ich dann Musik.

 

Jan Kluczewitz

 

Hast du schon ein neues Projekt geplant?

Eins? Hahaha. Im Moment schreibe ich meinen ersten Roman. Vielleicht wird das ja mal zu einem Film oder eine Fernsehserie. Nebenbei schreibe ich Songs. Filme habe ich konkret viele kleinere Projekte weiter oben auf dem Schreibtisch und etliche längere und kürzere in der Schublade. Aber die Zeit …

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