Hotel Bellevue (D 2014, Claire Walka)

Der Dokumentarfilm begibt sich auf eine bewegte Zeitreise bis in die frühen 60er Jahre. In Interviews und Bildern wird das Hotel Bellevue in der ehemaligen “Zonengrenzstadt” Lauenburg/Elbe portraitiert – ein Familienbetrieb zwischen Tradition und Wandel.

Ein Bericht von Gina

Die Dokumentation beginnt mit vielen, kleinen Detailaufnahmen der Inneneinrichtung des Hotels, ist von einer angenehmen Melodie untermalt und wirkt sofort sehr sympathisch. Aus Sicht der Gründer und Betreiber des Hotels werden immer wieder Rückblicke in die Vergangenheit eingebaut, um die Geschichte des Hotels, der damaligen politischen und familiären Situation und der daraus folgenden Handlungen zu erklären. Es geht um eine Familie, die das Hotel gegründet hat und die über die Jahre um ihr Hotel kämpfen muss. Mit Bildkollagen und Zeitungsartikeln werden die Rückblicke inszeniert. Nach und nach lernen wir die neue Generation des Hotels, die Kinder der Betreiber, kennen. Wir sehen, wie der Wandel über die Generationen hinweg sich vollzogen hat beziehungsweise sich immer noch vollzieht. Im Großen und Ganzen eine schöne Dokumentation und jeder, der sich für das Hotel interessiert, hat hier eine einheitliche und intensive Sicht auf die Entwicklung und die Menschen dahinter.

Meiner Meinung nach ist hier an einigen Stellen etwas zu langatmig erzählt worden. Die Einführung einiger Charakter, so zum Beispiel die des Sohnes der Gründer, ist unsauber erzählt, sodass sich der Zuschauer zu lange fragen muss: „Wer ist diese Person?“. Dies wird natürlich nach und nach deutlich. Die politischen und wirtschaftlichen Einflüsse hätte ich mir dezenter gewünscht. Besonders schön empfand ich die Kameraarbeit und das Sounddesign. Meine Lieblingsstelle: Es wird von einem Ball erzählt, auf dem sich einige der jetzigen Betreiber kennengelernt haben. Da hier offensichtlich kein Filmmaterial vorhanden war, schwebt die Kamera in den neuen Aufnahmen über den Boden, als würde sie den unsichtbaren Füßen der Tanzenden folgen. Anschließend der Blick nach oben auf einen Kronleuchter und die Kamera kreist wie eine tanzende Person, die eine Pirouette dreht.

Hotel Bellevue
Deutschland 2014
Regie: Claire Walka
25 Minuten

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