Filmemacher Stammtisch Nachbericht: Humor im Film

Humor im Film ist ein weitgefasstes Feld. Das wurde den Teilnehmern des Kieler Filmemacher Stammtischs ziemlich schnell klar, die sich am 18. April im Café Godot trafen. So war es kein Wunder, dass es zu einer angeregten Diskussion kam, die nur in Kürze hier wiedergegeben werden kann.

 

Humor hat viele Gesichter

Wer sich dem humoristischen Genre verschrieben hat, der weiß: Humor für alle gibt es nicht. Und es ist ein verdammt schweres Handwerk. Denn nirgendwo sonst ist so viel Präzision und Gefühl für gutes Timing gefragt wie hier. Außerdem ist es wichtig seine Zielgruppe zu kennen. Während die einen schwarzen Humor lieben, schmunzeln andere eher bei abgefahrener Situationskomik. Selbst von Kultur zu Kultur kann sich Humor unterscheiden. So weiß eine der Teilnehmerinnen aus ihrer Arbeit mit Flüchtlingen zu berichten, dass Menschen aus dem arabischen Raum gern über Verkäuferwitze lachen. Das hat seinen Grund, denn die Dinge, über die wir lachen, sind eng mit unseren Erfahrungen verknüpft. Zudem hat sich Humor im Film in den letzten Jahren stark weiterentwickelt.

 

„Während in der Stummfilmzeit die Leute noch über Situationskomik und Slapstick gelacht haben, haben Witze heute eine richtige Dramaturgie“, erklärt Filmexperte Frank Schmerschneider. Und der Humor verändert sich laufend, vor allem dann, wenn er sich durch zu häufige Verwendung abträgt. „Die Supernasen waren ein Kassenschlager, trotzdem haben sie einige Jahre später nicht mehr funktioniert“, erklärt Thies John. Ein anderes Problem ist der aktuelle Bezug vieler Witze, der ohne Hintergrundwissen von jüngeren Generationen nicht mehr verstanden werden. Schon diese kleine Abhandlung macht klar, wie komplex das Thema Humor ist.

 

 

Humor und der Film

Bei der Darstellung von Humor im Film spielen alle Aspekte der Filmkunst eine Rolle. Egal ob Dramaturgie, Schauspiel, Kameraführung, Ausstattung, Musik, Sounddesign oder Montage. Jeder dieser Aspekte kann dazu beitragen, dass eine Szene komisch ist oder nicht. Daher kommt es bei der Vorplanung darauf an, minutiös zu planen, wie der Witz herbeigeführt werden soll. Ist es das Gesicht der dritten Figur im Hintergrund oder die Kamera, die den Zuschauer gezielt überrascht. Die Konzeption „lustiger“ Dialoge reicht bei weitem nicht aus. Zudem ist beim Dreh präzise Arbeit gefragt, wie ich aus meiner Erfahrung mit THE FLYING DISCMAN weiß. Denn schon ein zu kurzer oder langer Blick kann reichen, das Timing und somit den komischen Moment zu zerstören.

 

Wie schreibe ich Sketche?

Alle am Tisch waren sich einig, dass man selten einen guten Witz allein am Schreibtisch schreibt. Vielmehr braucht man ein Gegenüber, mit dem man sich reflektieren kann. Jungfilmer Marlon Heller hat sich daher mit Freunden zusammengetan, um eine eigene Satiresendung auf die Beine zu stellen. Benjamin Bräuer und Thies John können da nur zustimmen. Die beiden gehören zum Autorenteam von THE FLYING DISCMAN. Thies John leitet zudem die Comic-Lesetruppe PROJEKTIX, die mit ihrer Star-Wars-Lesung bisher sehr erfolgreich und sogar im ZDF zu sehen war. „Ich hatte eine Idee zu einem Sketch. Als ich Benjamin beim Filmemacher Stammtisch kennenlernte, habe ich ihn gefragt, ob er mit mir zusammenarbeiten will. Das hat sehr viel Spaß gemacht, denn wir haben uns quasi die Bälle hin und her gespielt. Ähnlich war es auch bei Projektix“, erklärt Thies John.

 

 

Stefan Klinge, der früher Teil einer Kabarett-Gruppe war, kann dem nur zustimmen, gibt aber zu bedenken: „Viele Köche verderben den Brei. Wenn alle ihren Senf dazugeben wollen, dann wird die Arbeit sehr unproduktiv. Und das Team muss natürlich gut zusammenpassen.“ Ich habe übrigens immer ein Notizbuch dabei, in das ich alle Idee eintrage. Denn gute Dinge vergisst man schneller, als man denkt.

Berich und Bilder: Jessica Dahlke

Schreibe einen Kommentar