„Konflikte am Set“ Nachbericht vom Stammtisch

Warum entstehen Konflikte am Set? Und wie löst man sie bzw. beugt ihnen vor? Über diese und andere Fragen diskutierten am 20. Januar Filmemacher, Studenten der FH und ein Schauspieler aus Kiel im Studio Filmtheater. Ein Bericht.

Technische Probleme, miese Laune und lange Diskussionen, die in einem handfesten Streit enden. Das kann keiner am Set gebrauchen. Bei Extrembedingungen wie Zeitdruck, schlechtem Wetter oder anderen Stressfaktoren lassen sich Konflikte nicht immer vermeiden. In den meisten Fällen lösen sich die Spannungen jedoch schnell auf, wie die anwesenden Filmemacher zu berichten wissen. Eingespielte Teams wissen, dass sie viel kommunizieren müssen und eine ausgeprägte Empathie füreinander brauchen, um nicht jedes übellaunige Kommentar auf die Goldwaage zu legen.

 

Viele Konfliktquellen ließen sich von vornherein umgehen. Besonders anstrengend sei es, wenn aufgrund schlechter Vorbereitung oder mangelnder Führung (alle führen Regie) Drehtage verschleppt werden. Zu den Klassikern gehören gerade bei unerfahrenen Teams lange Diskussionen über einzelne Einstellungen am Set oder über unterschiedliche künstlerische Vorstellungen. Wenn Regie, Kamera, Drehbuch oder Hauptdarsteller gegenseitig ihre Vorstellungen durchboxen wollen, bedeutet das für alle anderen unnötige Warterei, manchmal sogar stundenlang. Daher sollte schon vor Drehbeginn klar sein, wie der Film aussehen soll. Locationbesichtigungen, eine Auflösung, ein Storyboard und Vorgespräche mit den Schauspielern gehören nicht umsonst seit Beginn der Filmgeschichte zu den wichtigsten Instrumenten des Filmemachens. Auch das klare Abstecken einer Hierarchie ist wichtig, denn spätestens am Set merkt jeder, dass letztendlich nur einer Regie führen kann und Basisdemokratie hier nicht funktioniert.

Wer sein Team und seine Schauspieler auch für Folgeprojekte wieder buchen möchte, sollte zudem den Drehtag gut planen. Ein Drehplan legt fest, welche Szenen wann gedreht werden. Er gibt zudem einen guten Überblick darüber, wann wer gebraucht wird. Für jeden Schauspieler ist es ärgerlich zwischen seinen Szenen stundenlang Pause zu haben. Ähnliches gilt für das Team. Ist von vornherein klar, dass zum Beispiel der Ton nicht gebraucht wird, so sollte man ihn frühzeitig nach Hause schicken. In einem der genannten Negativbeispiele hatte ein Tonmann mit seiner Assistentin sieben Stunden am Set gewartet, bis er zum Einsatz kam. Auch Umbauarbeiten und das Setzen von Licht brauchen Zeit, die gut eingeplant werden muss. Hier kann durch eine effiziente Organisation der Drehabfolge viel Zeit gespart und die Nerven des Teams geschont werden. Zuletzt ist Pünktlichkeit sehr wichtig. Jeder, der zu spät kommt, sollte sich bewusst machen, dass ein ganzes Team auf ihn warten muss.

 

Zu einem konfliktfreien Drehtag gehört zudem gegenseitiger Respekt. Niemand am Set ist ein Lakai, sondern ein vollwertiges Mitglied, das seine ihm zugeteilte Aufgabe erfüllt. Sprüche wie: „Jetzt müssen wir die Leute nochmal ordentlich treten.“ gehören in die Armee und nicht an ein Filmset. Genauso ist divenhaftes Verhalten völlig fehl am Platz. Wer glaubt, alle müssten sich der künstlerischen Vision des Einen unterwerfen, sollte lieber Romane schreiben.

Filmarbeit ist Teamarbeit. Das bedeutet, dass sich niemand zu schade ist, auch niedere Arbeiten zu erledigen bzw. sich nach Arbeit umsieht, wenn er gerade nichts zu tun hat. Ein solches Verhalten sorgt für gute Stimmung am Set und erzeugt ein Gefühl der Zusammengehörigkeit.

Das Wichtigste jedoch gegen schlechte Laune und Konflikte am Set sei ein gutes Catering. Das sei wie in der Seefahrt, denn wenn alle in einem Boot sitzen, ist gutes Essen unerlässlich, so die Filmemacher am Schluss der Diskussionsrunde.

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