Recap – Kurzfilmrolle 2015/16 mit Claus Oppermann

Die Kurzfilmrolle ist eine Institution in Schleswig-Holstein. Seit 1986 tourt die Projektschau mit preisgekrönten Filmen aus dem Land durch das Land. Auch im Tourneejahr 2015/16 konnte die Kurzfilmrolle wieder zahlreiche Zuschauer in 17 Orten begeistern.

Viele Veranstaltungen waren bis zum letzten Platz besetzt und teilweise Tage vorher ausverkauft. Das zeigt, wie beliebt die Kurzfilmrolle ist und dass die Kontinuität und Qualität des Tourneeprogramms einen besonderen Stellenwert für viele Kinobetreiber und Kulturveranstalter in Schleswig-Holstein einnimmt.

Seit 30 Jahren treffen Filme, Filmemacher und ein sehr interessiertes Publikum in Kinos, Kneipen, Kulturhäusern, Kunstbetrieben und Schulen aufeinander. In kleinen und größeren Orten in Schleswig-Holstein hat sich die Kurzfilmrolle vom Landesverband Jugend und Film (LJF) als feste Größe und echtes Kulturgut für die Region bewährt.

Rückblick auf die Filme der letzten Tour

Auch das Programm 2015/2016 konnte wieder mit einer bunten Mischung von Kurzfilmen aufwarten, egal ob Dokumentation, Stop-Motion, Drama oder Comedy. Für jeden Geschmack war etwas dabei.

Den Film MEERENGE haben Niklas Martensen und Bastian Köhn aus Niebüll innerhalb von drei Tagen produziert. 19 Jahre waren sie damals alt. Der Film entstand für einem Wettbewerb, bei dem sie zuerst den Landes- und dann den Bundeswettbewerb gewonnen haben.

MARGA UND DER WAL von Annette Ortlieb ist ein “Spinoff” aus dem Langfilm INSELTÖCHTER. Dort werden drei ältere Damen von der Insel Sylt porträtiert, die aus ihrer Kindheit zwischen 1905 und 1930 erzählen. Marga war eine dieser Damen. Annette Ortlieb hat diesen Teil herausgenommen und nochmal neu montiert, weil ihr viele gesagt haben, dass das Interview ein tolles Dokument über die Zeit während des ersten Weltkriegs ist. Er lief auf vielen Festivals, hat das Prädikat besonders wertvoll bekommen und Kurzfilmpreise gewonnen. Das Besondere an diesem Film ist die sehr bildhafte Erzählweise von Marga, der man einfach gern zuhört.

„Die Indoor-Garten als Institution zur mentalen Zufriedenheit ist eine Indoorgarten-Insitution zur Stärkung der mentalen Zufriedenheit und des Glücks. Kommen Sie vorbei und lassen sie sich fallen, einfach mal vom Alltag abschalten. Geld gibt es bei Unzufriedenheit zurück.“ So beschreibt Rike Hoppe ihren Kurzfilm DRAUSSEN IST WO DU NICHT BIST. Sie stammt aus Kiel und studiert derzeit in Berlin Regie. Der Film ist mit erheblichen Aufwand entstanden. Allein 53 Leute sind vor der Kamera zu sehen. Für ihre akribische Arbeit wurde sie weltweit mit vielem Festivalteilnahmen und einigen Preisen belohnt.

Der Film GRANDPRIX (2002) wurde in der Kurzfilmrolle 2015 noch einmal gezeigt, weil Oppermann jedes Jahr einen kleinen Rückblick geben möchte, was aus den Filmemacher von damals heute geworden. Einer der beiden Filmemacher, Rasmus Kleiner, ist inzwischen Doktor für Filmwissenschaften und lehrt an der Uni Marburg und Bremen. In Akebek (Ditmarschen), wo er den Film zusammen mit Sebastian Thiessen gemacht hat, gab es 40 Jahre lang eine Filmgruppe, in der Lehrer ihre Schüler früh an das Medium Film herangeführt haben. Einer dieser Lehrer war Hans Friedrich Helfrich, der leider 2014 verstorben ist. Einige seiner Schüler sind tatsächlich Filmemacher geworden.

WHO DONE IT von Jim Lacy und Katrin Albers ist eine Mischung aus Quizshow und Krimi. Der Animationsfilm ist in drei Jahren in Hamburg entstanden. Alle Figuren sind selbst gebaut und von Hand animiert. Jim Lacy ist Dozent an der Fachhochschule Flensburg für Werbe- und Stoptrickfilm und Katrin Albers lehrt an der Fachhochschule für Gestaltung in Zürich. Auch dieser Film lief auf vielen Festivals.

Margarete Kosmol ist eine junge Filmemacherin, die jeden Sommer nach Armenien fährt und von dort eine kleine Dokumentation aus dem Land ihrer Eltern mitbringt. Die Kronshagenerin hat sich das Filmemachen mehr oder weniger selbst beigebracht. Der Film ROT = GRÜN hat 2015 den Preis für die beste Jugendfilmproduktion auf den Schersberg erhalten. Sie war erst 15 Jahre alt, als sie ihn gemacht hat. Damals ist sie ist einfach in ein Taxi gestiegen und hat den Taxifahrer gefragt, wo das Dorf mit den vielen Störchen ist. Und dann hat sie gemerkt, dass dieser Taxifahrer unheimlich viel zu erzählen hatte.

AUS DEINEN HÄNDEN von Sebastian Husack und Hannes Lischke ist in Lauenburg entstanden. Sebastian Husack ist kurz nach der Produktion an die Filmhochschule in München gegangen. Eine sehr renommierte Filmhochschule, an der man eigentlich erst mit Ende 20 anfangen kann zu studieren, weil man Praktika und Filmpreise vorweisen muss. Bei diesem Film haben die beiden Filmemacher viel Mut bewiesen und sich professionelle Hilfe an der Kamera und im Schauspiel geholt. Sabine Mittelstett und Thomas Arnold sind bekannte Schauspieler. Die beide haben sie einfach angesprochen und da das Drehbuch überzeugen konnte, haben die Schauspieler ohne Gage mitgemacht. Sonst wäre der Kurzfilm gar nicht möglich, obwohl er gefördert worden ist. Aber die Gelder sind eigentlich immer nur dazu da, um Fahrgelder, Materialkosten, Leihmiete für Kameras usw. zu finanzieren.

Den Abschluss machte der Comedy-Kurzfilm und Publikumsliebling DER MANN, DER ZU VIEL MUSSTE der Filmgruppe THE FLYING DISCMAN, die 2015 den „Nur 48 Stunden“-Wettbewerb damit gewannen. Derzeit arbeitet die Gruppe an ihrer ersten Webserie.

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