Michael Ballhaus | Bilder im Kopf

Ein deutscher Kamermann zog aus, um Hollywood zu erobern. Das ist Michael Ballhaus. In seiner Biographie erzählt er von seinem bewegten Leben, das ihn vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen über Rainer Werner Fassbinder bis nach Amerika brachte. Ein Buch nicht nur für Kameraleute und Filmfans.

Der Inhalt

Michael Ballhaus ist einer der bedeutendsten Bildregisseure und Kameramänner der Welt. In „Bilder im Kopf“ erzählt Ballhaus erstmals die Geschichte seines Lebens. Von der Flucht vor den Bombenangriffen auf Berlin, von seiner Kindheit auf Schloss Wetzhausen, wo seine Eltern, beide Schauspieler, das »Fränkische Theater« leiteten, eine Künstlerkommune, die eine ganze Dynastie an kreativen Menschen hervorbrachte. Als er als junger Mann dem Regisseur Max Ophüls bei seinem Film »Lola Montez« assistieren darf, beschließt Ballhaus Kameramann zu werden. Der Beginn einer großen Karriere, die ihn in engen Kontakt zu den ganz Großen des Filmgeschäfts bringen sollte. Michael Ballhaus war stets darauf bedacht, seine Unabhängigkeit zu erhalten. Er hat Distanz bewahrt, wie es ein Kameramann tut, und sich dadurch die Möglichkeit geschaffen, sehr genau hinzusehen. Was er gesehen hat, erzählt er hier.

Die Kritik

Was ist ein Kameramann ohne seine Augen? Diese Frage stellte ich mir, als ich Michael Ballhaus in einem Interview sah. Im Alter fast erblindet berichtet er, dass er nun die Weltliteratur mittels Hörbuch kennenlernen könne. Dann schweigt er lange und beginnt schließlich zu weinen. Folgerichtig beginnt seine Biografie mit den Worten: „Dies sind die Erinnerungen eines Mannes, der mit seinen Augen gelebt und gearbeitet hat.“ Es leitet die Geschichte eines Lebens ein, dass mit Leidenschaft immer auf der Suche nach der perfekten Kadrierung war. Eine Karriere, die bei öffentlich-rechtlichen Fernsehen hätte enden können, Ballhaus jedoch (dank seiner Frau) bis nach Hollywood brachte, wo er mit Größen wie Martin Scorsese zusammenarbeitete. Das Buch gibt tiefe Einblicke in die oft sehr unterschiedliche Filmarbeit in Deutschland und den USA. Während in Deutschland noch der Genius vorherrscht und die Produzenten mit den Eigenheiten mancher Regisseure (also Fassbinder) zu kämpfen haben, gilt es in Amerika ein Set mit 5.000 Statisten zu bändigen. Dabei zeigt sich die Vorliebe der Amerikaner für den deutschen Kameramann, der typisch Deutsch zuverlässig, rational und arbeitssam ist. Zudem erfährt der Leser viel über die Arbeit des „Bilderbauers“ im Allgemeinen. Wie erzählt man mittels Bildern den Kampf zweier Männer am Billardtisch so spannend, dass der Zuschauer über Minuten dranbleibt? Nicht nur für Filmfans!

Ein Bericht des ehemaligen Blogs kult-literaten.de

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