Letzter Stammtisch vor dem „Sommerloch“

 

Während die ganze Nation auf Brasilien blickt, blicken die Kieler Filmemacher in ihre Terminkalender. Sommerloch und Sommerpause? Nicht in der Filmbranche. Das zeigt auch die rege Beteiligung am letzten Filmemacher-Stammtisch vor der Sommerpause in der Forstbaumschule in Kiel, der am Dienstag den 17. Juni 2014 stattfand. Bei kühlem Bier wurden in der schönen Abendsonne aktuelle Projekten vorgestellt und über die guten alten Zeiten philosophiert.

Caro Palm und Sascha Witt

FH-Studentin Caro Palm erklärt, warum der Sommer keineswegs drehfrei ist: „Ich finde im Sommer ist der Filmemacher viel freier, was das Drehen angeht. Man ist nicht an drinnen gebunden, das Licht ist länger da, die Temperaturen sind angenehmer und die Umgebung gibt einem mehr Möglichkeiten.“ Sascha Witt, auch Student Multimedia Production (FH), ergänzt: „Da es eine große Anzahl an Filmfesten im Herbst gibt, nutzen viele gerade die Sommermonate, um zu drehen oder Projekte fertigzustellen.“ Sascha arbeitet an einer Portrait-Reihe über besondere Menschen auf dem Campus der FH Kiel.

Margit Waschull mit Olga „Gina“ Wanner

Auch Stammtisch-Neuzugang Margit Waschull, Drehbuchautorin, ist im Sommer nicht von Langeweile geplagt: „Beim Projekt ‚talentCAMpus‘ bietet die VHS Kiel jugendlichen Flüchtlingen in den Ferien eine Schreibwerkstatt an, die ich mitbetreue. In Zukunft möchte ich mich aber vermehrt dem Film widmen. Als Einstieg wäre ich gerne als ‚helfende Hand‘ am Set dabei. Später würde ich gerne meine Drehbücher verfilmen. Daher hoffe ich, bei diesem Stammtisch neue Kontakte knüpfen zu können.“

Filmemacherin und Kamerafrau Jessica Dahlke erzählt von ihren Sommerprojekten: „Im Juli drehen wir unter der Regie von Jackie Gillies eine zweite Version unseres 48-Stunden-Beitrags ‚Aground: Terra 9629‘ im Anscharpark. Darin wird es diesmal etwas blutiger zugehen. Im Spätsommer ist dann ein Sommerfilm in Schierensee geplant, den ich mit Sigrun Benesch umsetzen werde. Darin geht es um ein Senioren-Ehepaar, das den bürgerlichen Schein bewahren will, obwohl es sich seit Jahren hasst wie die Pest.“

Sven Heid

„Aber ein wenig ist das Sommerloch doch zu spüren,“ überlegt Sven Heid, der auf der Kieler Woche, am Tag des WM-Spiels Deutschland gegen USA, einen Zombiefilm drehen wird, „die richtig guten Schauspieler haben meist Spielpause.“

Neben jungen Studenten waren an diesem Abend auch viele alte Hasen aus der Kieler Filmszene gekommen. Denn hier kann man nicht nur neue Kontakte knüpfen, nein, man kann auch alte Verbindungen wieder aufleben lassen. So saßen sich Helmut Schulzeck und Peter Hertling nach über 10 Jahren endlich wieder persönlich gegenüber. „Das liebe ich an diesem Stammtisch. Er bringt die Leute dazu, sich aktiv zu vernetzen und am Ball zu bleiben, denn in Kiel tut sich viel. Man hat das Gefühl, an jeder Ecke sprießt momentan ein neuer Filmemacher hervor“, so Schulzeck. „Es ist schön zu sehen, wie Kiel sich entwickelt hat. Ich sag’s euch, damals wollte ich hier nicht begraben werden“, erinnert sich Peter Hertling und Helmut schmunzelt: „Ich weiß noch, wie ich damals eine Filmförderung beantragt habe und am nächsten Tag vorsprechen sollte. Ich fühlte mich, wie bei der mündlichen Abiturprüfung.“

Kaweh Kordouni und Helmut Schulzeck

Beim Thema Filmförderung kamen dann die ersten kritischen Stimmen. Früher sei es um einiges einfacher gewesen, an Fördergelder zu kommen. Zudem würden die finanziellen Mittel oft nicht optimal verteilt oder in Projekt anderer Bundesländer oder sogar anderer Staaten gesteckt statt damit die Filmschaffenden im eigenen Bundesland zu unterstützen. Schleswig-Holstein boykottiert sich selbst, so Meinung einiger.

Sommerloch hin oder her, in Kiel tut sich viel. Helmut Schulzeck stellt seine beiden Filme „Manchmal denk‘ ich jetzt auf deutsch“ und „Löcher im Kopf“ fertig. Der Filmessay von Stephan Sachs „Translating The Blue“ feiert am 16. Juli Premiere und Caro Palm schließt ihre bereits gedrehte Doku über die Kieler Tafel ab. Wir sind gespannt, was uns die Filmemacher beim nächsten Stammtisch im August zu erzählen haben.

Bericht: Olga „Gina“ Wanner
Fotos: Jessica Dahlke

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