Der Filmemacher-Stammtisch wächst

Am Dienstag traf sich der Kieler Filmemacher-Stammtisch zum fünften Mal im Studio Kino am Dreieckseckspatz. Nachdem zu den ersten Malen die Teilnehmerzahl eher überschaubar war, ist der Bekanntheitsgrad des Stammtisches mittlerweile mehr als gestiegen und damit auch die Anzahl der Gäste. Über 20 Leute hatten sich offiziell angemeldet. Es war wohl dem ersten Sommertag des Jahres geschuldet, dass die Zahl am Ende auf 15 Teilnehmer zusammenschrumpfte. Darunter der Leiter der Filmwerkstatt Kiel Arne Sommer, Studenten der FH Kiel (Multimedia-Production) und CAU Kiel (Medienwissenschaften), bekannte Kieler Filmemacher wie Torben Sachert und Kaweh Kordouni und ein Vertreter von Joker Pictures.

Thema des Abends war die Frage, ob Schleswig-Holstein bzw. Kiel eine Filmszene hat und wie mehr dafür getan werden kann. Schon zu Beginn der Vorstellungsrunde wurden die ersten Wünsche nach mehr Vernetzung geäußert. Der Bedarf ist offenkundig. Vor allem die Studenten der Multimedia-Production beklagten, dass sie kaum Ausbruchsmöglichkeiten aus ihrem kleinen Studien-Kreis am Ostufer hätten und gerne mit Filmemachern außerhalb des Studiums zusammenarbeiten würden. Auch die mangelnde Informationspolitik wurde angesprochen. Wenn MMP-Studenten nicht wissen, dass sie an der Muthesius Kunsthochschule Vorlesungen zum Thema Film besuchen können, obwohl eigentlich zwischen den beiden Lehranstalten eine Kooperation besteht, dann spricht die Situation für sich. Mehrfach wurde der Wunsch geäußert, ein Online-Portal aufzubauen, mit dessen Hilfe man Filmcrews zusammenstellen bzw. freie Stellen finden könnte.

Die Frage, ob es eine Filmszene gibt, war relativ schnell beantwortet. Wie schon auf dem Filmfest Schleswig-Holstein waren sich auch hier alle einig, dass die Szene besteht, aber Auftragsmöglichkeiten im nördlichsten Bundesland eher beschränkt sind. Wer etwas aus sich machen will, geht im Laufe seiner Karrierelaufbahn nach Hamburg, Berlin oder Köln. Wer in Kiel und Umgebung Filme mache, der tue das als Hobby. Unbeantwortet blieb die Frage, was man tun könne, um einen Filmstandort hier zu integrieren. Klar ist, dass bestimmte Infrastrukturbestandteile wie zum Beispiel ein Filmatelier fehlen. Auch mit der Vernetzung unter den Filmemachern ist es noch immer nicht weit her. Man hat den Eindruck, dass die einzelnen Gruppen ihr eigenes Süppchen kochen. Auch die Vernetzung nach Hamburg wird nur marginal betrieben. Eine allgemeine Anlaufstelle fehlt definitiv. Filmeinsteiger haben keinen Ort, wo sie sich über die Möglichkeiten des Filmemachens in SH informieren können. Wo bekomme ich mein Team her? Wie finanziert man einen Film? Woher bekomme ich mein Equipment? Welche Karrieremöglichkeiten gibt es? Wer beantwortet Fragen? Wer hat Kontakte zu bestimmten Drehorten? Und wer gehört eigentlich zum Who-is-Who in Kiel? Hier könnten der Stammtisch und seine Seite filmszene-sh.de einen Teil der Lücke schließen.

Definitiv ist festzustellen, dass es in Kiel und Schleswig-Holstein genug Fachpersonal für die Produktion eines Filmes gibt. Nun müsste es nur jemanden geben, der alle Fäden zusammenführt und die zusammenbringt, die gemeinsame Visionen und Knowhow teilen wollen. Zudem sollte eine gemeinsame Vernetzung zu Hamburg angestrebt werden.
Alle Teilnehmer waren sich am Ende des Abends einig, dass sich das Treffen für sie mehr als gelohnt hat und man wiederkommen wolle.

Der nächste Stammtisch findet am 17. Juni 2014 um 19 Uhr in der Forstbaumschule statt.

Ein Bericht von Jessica Dahlke und Olga Wanner

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