Stammtisch | Den Sound im Ohr

Am 15. September 2014 trafen sich wieder Filmemacher aus Kiel und Schleswig-Holstein zum Kieler Filmemacher Stammtisch. Diesmal in der Pumpe. Aufgrund von Terminschwierigkeiten der geladenen Filmkomponisten und Musiker veränderten wir das Thema von „Filmmusik“ auf „Ton und Sounddesign im Film“. Das kam vor allem den jungen Nachwuchsfilmern zugute, die fundiertes Fachwissen von den anwesenden Experten wie dem Sounddesigner Ferit Esinberk erhielten.

 

Ton als gestalterisches Mittel im Film

Der Ton wird leider viel zu wenig wertgeschätzt, dabei ist er ein wichtiges gestalterisches Mittel im Film. „Das fängt schon beim Skript an, wo die Soundgestaltung mitgeplant werden sollte“, erklärt Ferit. „Der Ton bestimmt maßgeblich die Atmosphäre des Films und hat den gleichen Stellenwert wie das Bild“, ergänzt Frank Schmerschneider, der bei seinen Kurzfilmabenden in der Hansa 48 gerne Hintergrundinformationen zu den gezeigten Filmen mitliefert. „Mit Geräuschen lässt sich zum Beispiel Gefahr unmittelbar erlebbar machen. Filmmusik öffnet Gefühle. Und Hintergrundgeräusche erzeugen ein Raumgefühl. Der Ton ist sehr facettenreich“, so Frank weiter. Über den Ton lassen sich zudem erzählende Elemente gestalten, die mit dem Bild nur schwer darstellbar sind. So zum Beispiel im Film HASS (F, 1995), in dem Jugendliche ständig die Motoren von Luxusautos hören, die sie sich niemals leisten könnten.

 

Ton am Set

Am Set sollte der Ton so perfekt wie möglich aufgenommen werden, denn Nachbearbeitungen sind oft schwierig und langwierig bzw. in manchen Fallen gar nicht möglich. Eine Nachsynchronisation kann Dialogen zudem die Natürlichkeit nehmen, wenn diese noch einmal im Studio aufgenommen werden müssen. „Irgendwas geht immer verloren“, so Ferit.

„Jungen Filmemachern rate ich, das Equipment erst einmal zu leihen“, sagt Pierre Schmalfeldt, der bei diversen Kurzfilmdrehs als Tonmann im Einsatz ist. Das ist bei nichtkommerziellen Projekten zum Beispiel in der Filmwerkstatt Kiel möglich. Für einige hundert Euro gibt es aber auch Audiorekorder, die mit einem guten Mikrophon tolle Ergebnisse abliefern. „Bei der Tonabnahme selbst ist es wichtig auf Hintergrundgeräusche zu achten und mit den Mikro so dicht wie möglich an den Sprecher zu gehen. Bei einem Filmdreh mussten wir zum Beispiel den Stromgenerator versetzen, weil das Brummen die ganze Zeit zu hören war.“ Um Geräuschquellen wie Klimaanlagen, vorbeifahrende Züge oder andere Störquellen zu identifizieren, sollte bei der Locationbesichtigung auch der Ton getestet werden.

„Sind gute Tonaufnaufnahmen vor Ort nicht möglich, dann lieber auf den Drehort verzichten oder gucken, ob man die Geräusche reduzieren kann, zum Beispiel indem die Klimaanlage ausgeschaltet wird“, rät Ferit. „Was man auch vorher testen sollte ist der Raumklang. Wir haben einmal im UKSH gedreht und dort eine Plansequenz durch verschiedene Räume gemacht. Weil einige Räume viel halliger waren als andere, hatten wir Probleme, den Ton des Sprechers zu angeln. So was muss man vorher wissen“, erklärt Mary-Ann Helbig, Studentin an der FH Kiel. Manchmal passen die Hintergrundgeräusche aber auch zur Atmosphäre des Films. Das Brummen eines Flugzeuges hat der apokalyptischen Stimmung im Kurzfilm „Aground: Terra 9629“ (Kaweh Kordouni) noch mehr Tiefe gegeben. Solche Zufälle sind aber selten.

„Wenn der Ton extern aufgenommen wird, sollte immer eine Klappe verwendet werden. Denn es ist später unheimlich viel Arbeit ohne sie Bild und Ton zu synchronisieren. Das wird leider gern mal vergessen“, ergänzt Jackie Gillies. „Außerdem sollten von jedem Raum einige Minuten Atmosphäre aufgenommen werden. Damit kann der Cutter später Pausen überbrücken oder Tonfehler überdecken“, so Ferit.

 

Lohnt sich der Einsatz von Funkstrecken?

Zudem wollte ich von meinen Gästen wissen, ob sie mit Funkstrecken arbeiten und was man dabei beachten muss. „Ich arbeite gerne mit Funkstrecken, weil sich die Menschen vor der Kamera freier fühlen und so viel authentischer wirken“, erklärt Caro Palm, ebefalls Studentin der FH Kiel. Ihre Kommilitonin Mary-Ann ergänzt: „Man sollte vor Drehbeginn testen, wie weit der Funk reicht, sonst reißt der Ton womöglich mitten in der Aufnahme ab. Zudem immer dafür sorgen, das nix das Signal stört.“ Im Ausland kann es außerdem passieren, dass die Frequenzen, über die die Funkstrecken laufen, bereits besetzt sind. Ist das der Fall, muss vor Ort für Ersatz gesorgt werden. Der Einsatz bleibt aber Geschmackssache. Sinnvoll sind Funkstrecken besonders dann, wenn die Gegebenheiten am Set das Angeln des Tons erschweren.

„Ach ja und bitte schreit niemals laut herum, wenn der Tonmann nicht darauf vorbereitet ist. Da fliegen einem wirklich die Ohren weg“, erklärt Pierre zum Schluss, was mit wilden Nicken einiger bestätigt wird. Klar, wir werden bei nächsten Dreh ganz besonders darauf achten.

Bericht, Fotos: Jessica Dahlke

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